Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1900)
- Article
- Fritz Reuter und die Juden
- Date
- 1900-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 3m deutschen Reich. Schrecken ohne Ende." Ueber Nacht, über Nacht, Als ich noch an nichts gedacht, Wider Willen, wider Wissen Hab' in's Gras ich beißen müssen. Michel, Du hast mich erweckt, Marcus Michel! Marcus Michel! Ja, Du hast des Todes Sichel Mir bewahret von dem Haupt, Hast mich wieder ausgeklaubt Und des Lebens Grund entdeckt. Du, mein Söhning! Du, mein Söhning! Dafür danke ich Dir schöning. Sieh', die beste Flasche Weines Und das größte Glück sei Deines; Komm, mein Freund, besuch' mich mal! Neubrandenburg, den 29. Nov. 58. F. R. redivivus. Goethe spricht in seinem „Tasso" bekanntlich die Behauptung aus, daß «s .vortheilhast, den Genius bewirthen". Wir Christen haben, wie unsere Kunst- und Volksgeschichte beweisen, im Verhältniß zu unseren jüdischen Mitbürgern diesen Vortheil uns nur selten zu Nutzen gemacht, und wenn wir es einmal thaten, dann war die Bewirlhung meist verwünscht mager. Wir huldigten und huldigen auch heute noch der Ansicht jene» französischen Diplomaten, der Ferdinand Hiller, dem genialen Kölner Musikdiregrnten, einmal da» bon mot zurief: „Le genie c’est la faim!“ Aber schon vor vielen hundert Jahren sprach ein deutscher Dichter — ich glaube: Freibank — die große Wahrheit au», daß e» ihm unmöglich sei, mit leerem Bauche froh zu singen und Karl Gutzkow, den man unbeschadet der Wirkungen «ine» Sudermann und Hauptmann auch heute noch lesen darf, meinte einmal: e» könne wohl möglich sein, daß die Roth den Genius schärfe, aber nur da» Behagen erhalte ihn. Die großen Realisten der indischen Philosophenschule, di« Judm, denken ebenso. E» dürfte uns Christen nicht schaden, wenn wir — eingedenk de» citierten Tasioworte» — auch in dieser Beziehung von ihnen zu lernen trachteten. Michel Angela behauptete bekanntlich in seinem hohen Alter noch, er trage seinen Schulranzen noch immer — ein ehrende» Geständniß. Und wa» den einzelnen ehrt, das ehrt auch die Gesammtheit.