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Im deutschen Reich · 1900-01-01 · Heft 1 (Januar 1900) · p. 2

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 1 (Januar 1900)
Article
Fritz Reuter und die Juden
Date
1900-01-01
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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3 2m deutschen Reich. zu athmen beginnt. Eine solche geistige Wiedererweckung ist nur dem berufenen, geistverwandten BiographenTund I Forscher möglich, dem dafür die rückhaltlose Anerkennung jedes Literaturfreundegebührt. Die erste Auflage des Buches war schnell vergriffen. Die wievielte gegenwärtig vorliegt, weiß ich nicht. Ich las die 1897 bei HinStorff erschienene zweite, und will hier an der Hand dieser Lektüre und einiger, durch die Liebenswürdigkeit des Autors mir gewordenen Aufklärungen eine kurze Darstellung der Beziehungen und Verbindungen geben, die zwischen Fritz Reuter und den Juden bestanden haben. Wer des Dichters unvergeßliches Meisterwerk: „Ut mine Stromtid" kennt, der kennt auch die prächtige, unvergeßliche Gestalt des „alten Moses", die in ihrer unübertrefflichen Zeichnung und ihrem farbenwarmen, virtuosen Kolorit uns anmuthet, wie ein lebensprühendes, wahrheitathmendes Porträt von Franz Hals. „Ich bin gewesen en Geschäftsmann von Jugend an, zuerst mit dem Packen, und dann mit de Produkten und mit de Wull, und zuletzt mit da« Geld, und als en Geschäftsmann will ich sterben, aber als en vorstchtiger. — Wenn se mich begraben auf den Kirchhof, da bei die Tannen, wo ich Hab' machen lassen 'ne Bewährung for mein Geld, dann sollen de Leute nicht sagen: „nu. er hat machen lassen 'ne Bewährung; was ist 'ne Bewährung von eichen Holz". — Hat er doch gebracht kurz vor seinem Tod lauter ehrliche Leute in'S Unglück, bloß um zu machen en Geschäft." — Gute Nacht, Frau Pastoren, wenn Se heute gehn zu Bett, können Se doch sagen: „Hab' ich gehabt heut doch lauter ehrliche Leut unter meinem Dach; auch der alter Jud war en ehrlicher Mann." Die Scene, worin der alte Moses diese Worte spricht, wird jedem Reuterverehrer so bekannt sein, daß ich ste nicht zu bezeichnen brauche. Weniger bekannt ist die Thatsache, daß der Dichter dm prächtigen Charaktcrkopf des prächtigm Alten treu nach der wirklichsten Wirklichkeit abkonterfeit hat. „Slus'uhr und Pomuchelskopp" — so erzählte Reuter dem Fräulein Julie Tellkampf während seines Badeaufmthaltes in Laubbach — „haben wirklich gelebt und ich habe ste ganz getreu beschriebm, um ste damit zu geißeln. Mit wahrem Der-

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