Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 676 (sequence 1)
- Language
- German
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676 Nereinsrrachrichterr. Äie allgemeine Versammlung des Central» Vereins, welche am 21. Nov. im Saale der Neuen Philharmonie bei C. Keller, Berlin 80., Köpenickerstr. 96/97, abgehalten wurde, war so zahlreich besucht, daß der weit über 1000 Personen fassend« Saal nahezu gefüllt erschien. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz die Erschienenen begrüßt und die Versammlung eröffnet hatte, erhielt Herr Schriftsteller Robert Schwei che l das Wort zu seinem Vortrage über: „Johann Jacob y." In ergreifenden Zügen schilderte der Redner das Leben und Wirken des einer jüdischen Familie in Königsberg i. Pr. entsproffenen charaktervollen deutschen Volksmannes, deffen „Vier Fragen, beantwortet von einem Ostpreußen" wie ein mächtiger Weckruf weithin Widerhall fanden und der dann in Schrift und Wort, besonders aber in verschiedenen parlamentarischen Körperschaften und in Wühlerversammlungen, mit seltenem Muth und zäher Beharrlichkeit für die Achtung des Volkswillens und die Ausbildung des Rechtsstaates eintrat, wiederholt deshalb des Hochverraths angeklagt, aber ebenso oft freigesprochen wurde. Durch die sogenannte „Neue Aera" in das politische Leben zurückgeführt, nahm Jacoby bei den Verfaffungskämpfey des Jahres 1863 mehr und mehr eine Stellung ein,welche ihn schließlich in der eigenen Partei gänzlich vereinsamen ließ. Im Jahre 1872 bekannte er sich zur Sozialdemokratie, nahm aber das von dieser Partei ihm angebotene Reichstagsmandat nicht an, sondern blieb von da ab bis zu seinem am 6. März 1877 in Königsberg erfolgten Hinscheiden dem öffentlichen Leben fern. Seine letzte schriftstellerische Arbeit war das in der von Guido Weiß herausgegebcnen Zeitschrift „Die Waage" veröffentlichte freigeistige Bruchstück „Zur Kulturfrage". Mit ihm schied ein wahrhaft freier Mann, ein Weiser und ein Held, deffen Grabstätte, wie der Rabbiner Dr. Bamberger an Jacoby's Sarge ausführte, einen Wallfahrtsort für alle Freiheitsfreunde für Gegenwart und Zukunft darstellt. — Lebhafter Beifall belohnte den Redner, der, selbst ein geborener Königsberger, den großen ostvreußischen Volksmann noch persönlich gekannt hat, und deshalb berufen schien, sein Gedächtniß in so tiefempfundener Weise zu feiern. Im Namen des Vorstandes dankte hierauf der Vorsitzende dem Vortragenden dafür, daß er in so trefflicher Art das Bild eines ganzen Mannes