Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- Dresden
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 671 (sequence 3)
- Language
- German
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mal bei einem jüdischen Grohschlächter fand, der Versuch gemacht wird, unvorschriftsmäßige Waare der Küchenverwaltung anzudrehen, so kann solcher Lieferant so getriezt werden, daß er bald Uebergewicht und bessere Qualität liefert, als er braucht, um die noch schärfere Einhaltung des Wortlauts des Kontrakts künftig los zu werden. Also, kurz gesagt, im kleinen (bei Lieferungen an die Truppe direkt) sucht die Militärbehörde fast stets zuerst Deutschen den Verdienst zuzuschiebeu; es gelingt fast nie, und sie muß mit Juden sich einlassen, die aber d a b et mir reell verdienen können, weil die Kontrolle — und Sie können es mir glauben — neuerdings nichr nur nominell, sondern thatsächlich sehr scharf ist. In letzter Zeit werden Fleischlieferungen (um die Inanspruchnahme der Truppen-Offiziere für die Abnahme um 6 Uhr Morgens und um 11 Uhr Vormittags zu verringern) garnisonweise von der Intendantur vergeben und sucht diese, wie ich bestimmt weiß,' meist möglichst Innungen oder einen Ring von mehreren deutschen Fleischern damit zu betrauen, scheitert aber ebenso oft an der Uneinigkeit und* Unkulanz, so daß der Jude, nicht durch Unterbietung allein, sondern manchmal nur in Folge grötzern Entgegenkommens, schließlich die Lieferung erhält." Der Schluß des in einem Antisenütenblatte sich seltsam ausnehmenden offenherzigen Schreibens enthält noch eine scharfe Verurtheilung der Agitation gegen das „Waarenhaus für Armee und Marine", die bekanntlich von denselben Kreisen ausgeht, wie diejenige gegen die jüdischen Lieferanten — nämlich von den Antisemiten, die sich zu Vormündern der Handwerker aufgeworfen, aber diesen bisher wahrlich noch keinen Segen gebracht haben. Das offene Bekenntniß des Offiziers, daß er die Juden auszuschließen bemüht war, ist ebenso unerfreulich, wie es erfreulich ist, daß er durch die Thatsachen von seinem unberechtigten Vorurtheil zur besseren Erkenntniß gelangt ist. ® Coburg, 8. Dezember. Zum Magistratsrath wählte gestern die Stadtverordnetenversammlung den Geheimen Kommerzienrath Freiherrn v. Mayer. Damit ist hier zum ersten Male ein Jude in die städtische Korporation gewählt. ® Gera, 8. Dezember. Das „Geraer Tageblatt" berichtet: „Der Antisemitenhäuptling Buchbinder und Restaurateur A m t h o r ist unter Zurücklassung beträchtlicher Schulden spurlos verschwunden. Auch die Ehefrau Amthors hat Gera heimlich verlassen, ohne ihrem versprechen gemäß die Gläubiger zu befriedigen." München, 15. Dezember. Der hier seit vier Jahren bestehenden jüdischen Studentenverbindung „L i c a r i a" hatten mehrere hiesige Herren eine Fahne gestiftet, deren Weihe kürzlich in solenner