Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- Dresden
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 670 (sequence 2)
- Language
- German
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670 Im deutschen Reich. Offiziers zu veröffentlichen, das der von andern antisemitischen Blättern abgedruckten Hetzerei dieses Organs gegen die jüdischen Heereslieferanten die Spitze abbricht. Die NedakLion entschuldigte sich deshalb in der Fußnote bei ihren antisemitischen Parteigenossen, wie folgt: „Da dieser Aufsatz für den „Sprechsaal" zu lang ist. Veröffentlichen wir ihn ausnahmsweise an dieser Stelle, ohne ihn damit aber seines Charakters als Sprechsaal-Artikel zu entkleiden." In dem Schreiben war wörtlich gesagt: «In zwei Städten der Provinz Posen war ich mehrere Jahre das Mitglied der Menagekommission meiner Truppe, das die Lieferanten der Mannschafts- und Unteroffizier-Küchen in erster Linie zu überwachen und den Abschluß der Verträge mit diesen vorzubereiten hat. Sowohl nach meinem ersten Eintritt in dies Amt, als später vor Neuvergevung der Lieferungen Jahr für Jahr, bemühte ich mich, die jüdischen oder in der einen Garnison diese und die p o l n i s ch e n Lieferanten auszuschließen, und fand dafür bei meinen Vorgesetzten stets größtes Entgegenkommen. Aber zum Schluß wurde nur ganz mir Recht immer wieder gesagt: „Was Sie wollen, wollten wir längst, aber es gehr nicht!" Und thatsächlich geht es nicht, meist weil die Deutschen zu faul sind, oder gelinder ausgedrückt, die größere Arbeit scheuen, die die strengen Kontraktsbedingungen der Militärbehörden ihnen verursachen; denn was sie zu ihrer Entschuldigung anführen, ihre geringe Kapitalkraft, die ihnen nicht erlaubt, das angebliche Risiko zu übernehmen, hat auf derartige kleinere Lieferungen, die Tag für Tag oder Woche für Woche dieselben sind. bei Führung narr guter Waare feilten Einfluß. Dem Deutschen, sei er Kaufmann, sei er Handwerker, paßt es eben nicht, genau aus die Minute nach den Avnahmebedingüugen beste Waare für kleinen Preis, bei also anscheinend kleinern Nutzen — den Verdienst bringt wohl erst die Regelmäßigkeit und die große Zahl der Lieferungen — liefern zn müssen. Er antwortet, wenn man bitter — wie ich es öfters that — die Lieferung zu übernehmen: „Es lohnt sich für mich die viele Schererei nicht/ Ganz anbei 6 i st derIude und Pole. Sie drängen sich nicht nur zn dem Geschäft, sondern sie liefern auch m e i st so gut und der: scharfen B e d irtgungen entsprechend — sz. B. wird jede Eßware, besonders Fleisch, vor und nach der Zubereitung von einem Offizier, Assistenzarzt und Roßarzt tagtäglich untersucht und kann der Lieferant ohne weiteres von der Kommission zur Nachlieferung oder Strafzahlung verurtheill werden, auch wenn sich erst nach der Zubereitung herausstellt. daß die Prozente der nahrhaften Substanzelt in der betresfenden Lieferung nicht genügen — daß fast nie Ausstellungen zu machen sind. Und wenn, wie ich es ein-