Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 668 (sequence 1)
- Language
- German
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608 Im deutschen Reich Frankfurt a. M., 3. Dezember. Die „Frankfurter Ztg." schreibt: „Vor einiger Zeit haben wir der „Wiener Arbeiterzeitung" eine Notiz über eine Theaterrezension deS „Wiener Volksboten" entnommen. Dieses christlich-soziale Blatt, daS vom Ortsschulrath König redigiert wird, hatte nämlich Grillparzer als Autor des Stückes „Der Kaufmann von Venedig" genannt. Daran hat sich eine zweite literargeschichtliche Glanzleistung des Ottakringer Antisemiten-OrganS geknüpft. Die „Wiener Arbeiterzeitung" berichtet darüber: „Ein Genosse hat sich den Scherz gemacht, an das Blatt einen mit William Shakespeare Unterzeichneten Brief zu schreiben, in dem jene Angabe richtig gestellt wird. Am 20. November 1899 ist nun die letzte Nummer des „Wiener Volksboten" erschienen, und in dieser theilt der Herr Ortsschulrath mit, daß er folgendes Schreiben erhalten habe: Geehrter Herr Redakteur! Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Freundlichkeit hätten, in Ihrer nächsten Rmiimcr richtigznstcllen, dag „Der .Kaufmann von Venedig" nicht, wie Sie in Ihrer letzten Rümmer angabc», von Grillparzer, sondern von mir ist. Ein Stuck mit so stramm antisemitischer Tendenz hätte dieser tvaschlappige Liberale doch nie über s Herz gebracht. Mit ergebenstem Dank im Voraus Ihr ergebener Wien, 7. Roveinber 1899. William Shakespeare. Herr König leitet diese Berichtigung mit der Bemerkung ein, daß es allerdings ein grober Jrrthum war, dem „Freimaurer Grillparzer" zuzumuthen, er habe ein so streng antisemitisches Schauspiel geschrieben. Da er einsieht, daß die Berichtigung der Wahrheit entspricht, fügt er hinzu: „Es ist somit jetzt beiden Theilen Rechnung getragen." Wir haben nur Angst, daß nun wieder Herr Grillparzer dem Herrn Ortsschulrath König eine Berichtigung schicken wird, daß er kein waschlappiger Liberaler war,' ja daß er ebenfalls mehrere streng antisemitische Stücke geschrieben habe. Und dann wird sich Herausstellen, daß dieser Kerl von einem Shakespeare ein ganz gewöhnlicher Verleumder ist." Der „Frankfurter Ztg." ging nachstehendes Schreiben zu: „Für silberne Hochzeit zu sagen Silberhochzeit — darauf kann zum ersten Male nur ein Jude verfallen sein" —sagt Wustmann in seinen „Sprach« dummheiten" (Ausg. v. 1891 Seite 19). Der Mann muß es ja wissen, dacht' ich mir, bis ich neulich in einem gewissen Briefwechsel bei einem „Weimar, am 2. Mai 1798" datierten Schreiben anlangte. Darin steht zu lesen: „Der arme Verfasser des goldenen Spiegels