Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 664 (sequence 3)
- Language
- German
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64 Im deutschen Reich. . Ueber das Schicksal der antisemitischen Partei^ kneipen berichtet die „Berliner Zeitung": „Wieder hat ein ^deutsches Wirtshaus" in'S Gras beißen müssen. Dieses schöne Lokal befand sich in der Koch-Straße und war'schon von außen durch' allerlei sinnige Sprüchlein kenntlich gemacht. Erleichtert athmet die Nachbarschaft auf, ist doch jetzt endlich wieder Ruhe eingekehrt, nachdem bisher' allabendlich Lärmscenen, die sich bis auf die Straße fortpflanzten, schon an der Tagesordnung waren." Eingegangen sind vor kurzem die antisemitischen Parteikneipen in der Dresdener Straße und in der Prinzen-Straße, und in der Friedrich-Straße zieht ein „Judenstuhl" nicht mehr; dürt stehen jetzt drei am Eingang, denn drinnen ist Üeberfluß an leeren Sitzplätzen! Die „Freisinnige Zeitung"' berichtet: „Der „Rektor aller Deutschen", Ahlwardt, befindet sich gegenwärtig in'Bochum auf Geschäftsreisen. Sein Schwiegersohn Bodeck hat in Berlin unter dem Namen seiner Frau ein „Damenrestaurant" eröffnet und zwar „auf breitester deutscher Grundlage". {£j Schwedt a. O., 2. Dezember. Am 12. v. M. hielt im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" Herr Dr. G u st av K a rp e l e s aus Berlin einen Vortrag, in welchem er die Frage „Was haben die Juden für die Kultur der Menschheit geleistet?" in so hochinteressanter Weise behandelte, daß alle Zuhörer dem fast I1/« Stunden dauernden Vortrage in fast athemloserSpannunglauschten. J. B. Breslau, 8. Dezember. Zu Beginn des Winter-Semesters hat sich an der hiesigen Universität ein „Verein jüdischer Studenten" konstituiert, dessen offizieller Eröffnungskommers am 23. November in Liebich's Festsälen stattfand. Der Berliner „V. I. St." hatte drei Chargierte gesandt, und der Leipziger „V. I. St.", sowie viele Gönner und Freunde der „Vereine jüdischer Studenten" aus allen' Gegenden Deutschlands schickten Glückwunschtelegramme. Eine große Anzahl Gäste waren geladen und erschienen. Herr Rabbiner Dr. Guttmann dankte im Namen der Gäste für die Einladung und wünschte dem jungen Verein ein gutes Wachsen und Gedeihen, konnte sich aber nicht enthalten, der Befürchtung Ausdruck zu geben, der „V. I. St." möchte zionistische Tendenzen verfolgen, die er (Redner) als unheilvoll ansieht. Der Vorsitzende des neu gegründeten „V. I. St.",'stuck, zur. Dobrzynski, antwortete darauf sogleich, der Verein als solcher habe mit dem Zionismus nichts zu thun; seine Bestrebungen seien vielmehr nur darauf gerichtet, unter seinem blau-weiß-gelben Banner alle jüdischen Akademiker, die von ihrem Judenthume etwas Hallen, zu