Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-12-01
- Page
- 662 (sequence 1)
- Language
- German
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AsrrssPoßcksrsM. X Berlin, 20. Dezember. Der Ausfall der am 12. d. M. beendeten Wahlen zum Direktorium der Akademischen Lesehallewelches zugleich die korporativeVsrtretungder hiesigen Studentenschaft bildet, beweist, daß der antisemitische Geist an der Berliner Universität immer mehr an Boden verliert. Es gelang, nach mehr als einem Jahrzehnt, die Mehrheit des antisemitischen „Vereins deutscher Studenten" und seiner Verbündeten zum ersten Male zu brechen. Zwar vermochte» diese antisemitischen Studenten sechs ihrer Kandidaten durchzubringen; aber es wurden sieben Vertreter der anderen Partei (je 1 der katholischen Verbindung „Askania" und der „Freien wissenschaftlichen Vereinigung", 2 des „sozial-wissenschaftlichen Vereins", 3 der „Finkenschaft") gewählt, und diese Mehrheit übertrug den Vorsitz dem unparteiischen Vertreter der „Askania". Letzterer nahm sofort in der konstituierenden Sitzung Veranlassung, dem Antisemitismus eine unzweideutige Absage zu ertheilen, indem er nicht nur strengste Objektivität, sondern auch Bekämpfung jeder konfessionellen Engherzigkeit zusicherte und Verwahrung gegen die seitens des „Vereins deutscher Studenten" und Gefolgschaft gewählte Bezeichnung „nationale Partei" einlegte, womit gegen die gesammte übrige Studentenschaft die Verdächtigung antinationaler Gesinnung ausgesprochen werde. Nachdem die Pensions-, Wittwen- und Waisenkasse deS Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche die landesherrliche Genehmigung erhalten hat, wird dieselbe voraussichtlich am 1. Januar n. I. in's Leben treten. Die Interessenten werden darauf hingewiesen, daß die Vorlesungen für diejenigen akademisch gebildeten jüdischen Lehrer, die sich für Ertheilung des israelitischen ° Religionsunterrichtes vorbereiten wollen, sür das akademische Jahr 1899/1900 in der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums", Berlin SW., Lindenstr. 48/50, bereits begonnen haben und unentgeltlich besucht werden können. Der Geh. RegierungSrath Professor Dr. Moritz LazaruS beging am 30. November d. I. in Meran sein SOjährigeS Doktor- Jubiläum, aus welchem Anlaß ihm der Kaiser den Kronenorden dritter Klasse mit der Zahl 50 verlieh und die Universität Halle ein auf prachtvollem Blatt ausgesührtes erneutes Doktordiplom sandte. Moritz LazaruS wurde 1824 zu Filehne geboren, studiert« in