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Im deutschen Reich · 1899-12-01 · Heft 12 (Dezember 1899) · p. 648

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 12 (Dezember 1899)
Article
Sonst und jetzt
Date
1899-12-01
Page
648 (sequence 1)
Language
German
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Sonst und jetzt. J|||m Sonntag, den 15. Oktober d. I., befand sich eine größere ^^Gesellschaft, Damen und Herren, Christen und Juden, erstere in weit überwiegender Mehrzahl, im Wartesaal zweiter Klasie in dem Bahnhof des von Darmstädtern besonders frequentierten Ausflugsorts Jugenheim i. d. Bergstraße. Kurz vor Abgang des Zuges verkündete der Bahnhofbedienstete, daß die mit Billets dritter Klaffe versehenen Fahrgäste ersucht würden, sich in den Wartesaal dritter Klasse zu begeben. Als man sich über die ganz außergewöhnliche Maßregel wunderte, bemerkte der Bahnhofsbedienstete, daß ein Herr den Wunsch der Entfernung der betreffenden Fahrgäste aus dem Wartesaal zweiter Klasse geäußert hätte. Dieser Herr war der Telegraphendirektor und Lieutenant a. D. v. d. Mülb e aus Darm stad t. Als nun der Zug einfuhr und mehrere (nota bene christliche!) Passagiere in ein Abtheil dritter Klasse einstiegen, stellte sich besagter Herr hin und rief mit einer bezeichnenden Armbewegung ebenso geschmackwie geistvoll: „Gott der Gerechte! Nun steigen sie doch alle dritter Klasse ein." Auf dem Bahnhof in Bickenbach, wo die Fahrgäste nach Darmstadt umsteigen mußten, konnte es derselbe Herr nicht unterlassen, seiner antisemitischen Gesinnung wieder Ausdruck zu geben, indem er laut rief: „Diese Bande verdammte, diese Judenbande, macht sich im Wartesaal zweiter Klasse breit und hat nur Billets dritter Klasse!" Darauf wurde er von einem Mitreisenden in recht energischer Weise zur Rede gestellt. Wie wir hören, wird die Sache noch ein gerichtliches Nachspiel haben, da der Herr Telegraphendirektor wegen Beleidigung verklagt ist. Trotzdem der Vorfall durch die „Neuen Hessischen Volksblätter", die „Frankfurter Zeitung" u. a. Blätter bereits in weiteren Kreisen bekannt worden ist, verlautete bisher weder, daß sich der unhöfliche Beamte bei den -von ihm für Jüdinnen ge-

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