Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- M. K., Posen
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 630 (sequence 3)
- Language
- German
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630 3m deutschen Reich. In einer von mehreren hiesigen deutschen Studenten jüdischen Glaubens Unterzeichneten Erklärung in der gestrigen Abend» nninmcr der »Posener Ztg." ist meine gelegentlich auf der Straße in einer Privatunterhaltung gethane Aeußerung, die Anlaß zu so vielen Mißverständnissen gegeben hat, wiederum mißverständlich ausgclegt worden. Ich benutze diese Gelegenheit, um hier an öffentlicher Stelle zu erklären, daß ich nur einem einzelnen jüdischen Herrn seiner äußeren D a r st e l l n n g s m i t t e l wegen a ii S r e i n ä st h e t i s ch e n G r n it d e n als ungeeignet für den Vorkrag eines bestimmten Gedichtes bezeichnet habe. D r. M i n d e - P o u e t. Danach haben wir keinen Grund, auf diesen Herrn zurückzukommrn, aber die traurige Thatsache müssen wir feststellen, daß einzelne jüdische Studenten eine solche Aeußerung als „ein wissenschaftliches Urtheil" angesehen haben, dem sie sich fügen zu müssen glaubten, daß sie die bedauerliche Gleichstellung der Vegrjffe Christenthum und Deutschthum ruhig Hinnahmen. Der Weltbürger Goethe wäre erstaunt 'gewesen, wenn ihm jemand gesagt hätte, daß es „rein literarische Gründe" geben solle, die ein Gedicht zum Vortrag von Juden ungeeignet machen können, daß man ihn am Ausgang des 19. Jahrhunderts durch ein Gedicht feiern werde, welches so kerndeutsch veranlagt sei, daß ein Jude es gar nicht vortragen könne oder solle. Das hat der große Mann sicher nicht geahnt, daß einst deutsche Literarhistoriker, indem j e Christenthum und Deutschthum verwechseln, ihn für beides zugleich in Erbpacht nehmen würden. Noch unfaßbarer ist es aber jedenfalls, daß deutsche Studenten jüdischen Glaubens an einer Goethefeier theilnahmen, ivelche einen so „merk!vürdig kerndeutschen" Anstrich hatte, daß deutsche Juden sich nicht ganz an demselben betheiligen durften. Freilich — wer solchen Vorurtheilen gegenüber nicht ein deutsches öternmort auf der Zunge hat, der ist allerdings noch nicht kerndeutsch, denn ihm hasten noch die Ghettospuren an! F. H., Lissa i. P. Was Sie uns über einen Vorfall im Comenius-Gymnasium berichten, hat vielleicht Anlaß zu der gehässigen Lissaer Notiz der „Staatsbürger-Zeitung" vom 24. Oktober gegeben. Uns wundert die Verdrehung der Thatsachen nicht, denn das edle Blatt befolgt das Prinzip, Verdächtigungen auszustreuen, ohne irgend einen festen Anhalt zu geben, der es ermöglicht, der Sache auf den Grund zu gehen und dieselbe nachzuprüfen. Sie nennt weder Schule noch Namen der Betheiligten und hält sich dadurch, im Falle die Verleumdung ermittelt wird, nachdem das Gift ausgestreut ist und gewirkt hat, den Rückzug offen. Diese Jago-Natur wirkt um so widerwärtiger, als dabei der „jüdischen Mißwirthschaft" das