Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-11-01 · Heft 11 (November 1899) · p. 629

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 11 (November 1899)
Article
M. K., Posen
Date
1899-11-01
Page
629 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316661-2324958--06055-2325057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Briefkasten der Redaktion. 629 Mittheilung muhte tief verletzend wirken; jeder Unbefangene mußte sich sagen, daß,' wenn Herr Dr. Minde-Pouet wirklich eine solche Aeußerung gethan, dies eine seltsame Einleitung zu einer akademischen Goethe-Feier sei. Doch weit mehr als die verletzende angebliche Aeußerung eines christlichen Literarhistorikers mußte es Erstaunen und Entrüstung erregen, daß jüdische Jünger der Wissenschaft kurz vor der Feier öffentlich eine solche Anschauung als berechtigt erklärten. Die „Posener Ztg." veröffentlichte Folgendes: Während der letzten Tage kursierte in Posen das Gerücht, ein bekannter Literarhistoriker unserer Stadt, Herr Dr. Minde- Pouet, habe in Angelegenheit der Goethefeier einigen Mitgliedern des Festausschusses gegenüber antisemitische Aeutzerungen fallen lassen. Da die Goethefeier von der Posener Studentenschaft ansgeht, haben naturgemäß wir deutsche Studenten jüdischen Glaubens der Stadt Posen ein Interesse daran gehabt, die fragliche Angelegenheit zu klären. Wir haben auf Grund eingehender Nachforschungen dabei mu* feststellen können, daß die fraglichen Gerüchte auf einem bedauerlichen Mißverständnisse beruhen, da die Bemerkungen des Herrn Pouet keine generelle Bedeutung hatten, sondern sich nur auf einen einzelnen Mitwirkendeu bezogen. Diesem gegenüber hat allerdings Herr Dr. Pouet erklärt, er halte ihn persönlich als Inden aus rein literarischen Gründen für ungeeignet, das kerndeutsche Gedicht, für das er in Aussicht genommen sei, zu deklamieren; das harmoniere nicht! ebenso wenig wie ein Christ dazu passe, ein Gedicht jüdischen Charakters öffentlich vorzutragen. Wir als Studenten müsscr, uns freilich dieser wissenschaftlichen Ansicht des Herrn Dr. Minde-Pouet fügen und wollen uns in Folge dessen keine Kritik an derselben erlauben. Wir können natürlich in einem überzeugt wissenschaftlichen Urtheil kein antisemitisches Vorurtheil erblicken, — und selbst, wenn ein solches vorläge, so dürfte das doch nie und nimmermehr im Stande sein, einer Goethefeier zu schaden! Für uns ist somit der peinliche Zwischenfall, der die Harmonie des schönen nationalen Festes zu trüben drohte, erledigt. Möge das Fest zur Verherrlichung unseres Goethe einen würdigen, ungestörten Verlauf nehmen. Im Aufträge: Ignaz Lippmann, stud. jur. Felix Warschauer, cand. jur. Ludwig Friedmann, cand. jur. Julius Peifer, cand. med. Martin Wasser, cand. jur. Unmittelbar darauf ging der Redaktion der „Posener Z t g." noch n a ch st e h e n d e Erklärung zu:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.