Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 615 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Äorresp'onSenzeil. W X Breslau, 4. November. Die „Breslauer Zeitung" meldet: „Eine Belohnung für Akte des Wohlthuns und des Muthes gelangt am 4. Februar 1900 von der Stadtgemeinde Breslau zur .Auszahlung. Der im Jahre 1891 in Heidelberg verstorbene Gutsbesitzer W o l f f s o h n hat zu diesem Zwecke der hiesigen Stadtgemeinde ein Legat von 40 O00 Mark vermacht, deren Zinsen alljährlich am obigen Tage an Personen ohne Unterschied des Glaubens, jedoch mit vorzugsweiser -Berücksichtigung von Personen jüdisch e n G l a u b e n s, zur Vertheilung gelangen. Auch Personen, welche sich nicht melden, dürfen berücksichtigt werden. Gesuche sind an den Kurator, Rechtsanwalt Dr. Kempner, Roßmarkt Nr. 13 in Breslau, zu richten." X Elberfeld, 8. November. Die „Barmer Ztg." berichtet: „Die deutsche Reformpartei hielt am 6. d. M. im Viktoria-Theater eine Versammlung ab, in welcher der Reichstagsabgeordnete Raab aus Hamburg einen Vortrag über das Thema: Prof. Heinrich von Treitschke's Ausspruch: „Die Juden sind schuld an unserem Unglück", hielt. Der Besuch war ein außerordentlich zahlreicher. Die Polizeiverwaltung hatte an der Veröffentlichung des Themas Anstoß genommen und die Zeilen „Die Juden sind schuld an unserem Unglück" an den Plakatsäulen überkleben kaffen; sie hatte auch den Drucker der Plakate und ein Vorstandsmitglied des deutschen Reformvereins, das die Bekanntmachung veranlaßte, in Polizeistrafe genommen, wegen groben Unfugs. Der Kaufmann Schmitz brachte folgende Resolution ein: „Die Versammlung erklärt, daß die Vermuthung der Behörde, daß die Besprechung des Themas „Die Juden sind unser Unglück" eine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit enthalte, eine unbegründete war. Die Anwesenden sprechen aus, daß sie jedem Versuch der Beschränkung ihrer Redefreiheit entschieden entgegentreten werden." Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Der Vortrag des Abgeordneten Raab selbst bewegte sich in dem üblichen Geschimpfe." chsi Dortmund, 2. November. Der bekannte Rektor Ahlwardt will hier vom 1. Januar k. I. an eine täglich erscheinende Zeitung herausgeben, welcher er den Titel des s. Z. eingegangenen Ahlwardt- Organs „Das deutsche Schwert" beilegen will. 0 Kassel, 3. November. Der „Hessische Volksbote", ein s. Z. von dem Abg. Ludwig Werner begründetes antisemitisches Blättchen ist eingegangen. Noch immer trifft Herr Werner keine Anstalten, den Redakteur der „Hessischen Landeszeitung", Herrn G. Erdmannsdörfer, zu verklagen, der ihn beschuldigte, trotz seiner antisemitischen Parteistellung gegen Entgelt Nachrichten an einen jüdischen