Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 604 (sequence 10)
- Language
- German
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604 Im deutschen Reich. doppelte goldene Salvator-Medaille zu verleihen. Die höchste kommunale Auszeichnung wurde ihm gewährt, trotzdem die Gemeinderäthe Engerth, Dr. Reisch und Leonhard Braun als Mitglieder des Presbyteriums der evangelischen Kirche dieselbe als eine Beleidigung der protestantischen Bevölkerung Wiens bezeichneten, und die jüdischen Bürger Wiens, welche in Deckert den eifrigen Helfer der Ritualmord-Märchen-Erfinder Schneider und Vergani erblicken, wie einen Schlag in's Gesicht empfinden müssen. Am 31. Oktober hat sich zur Verhütung weiterer beschimpfender Angriffe der aus den Vorständen der bedeutendsten Kultusgemeinden Oesterreichs zusammengesetzte „Allgemeine österreichische Jsraelitenbund" konstituirt und eine Resolution angenommen, in welcher „die maßgebenden Faktoren im Staate, die österreichische Negierung, die staatlichen und autonomen Verwaltungen, die öffentlichen Dertretungskörper und überhaupt alle anständigen, rechtlich denkenden Kreise der Bevölkerung aller Konfessionen dringend ermahnt werden, jenem verhetzenden, unheilvollen Treiben mit aller Energie entgegenzutreten, es nicht weiter zu dulden, daß eine Million österreichischer Staatsbürger um ihres Glaubens willen geächtet werden, es nicht zu dulden, daß am Schluffe des neunzehnten Jahrhunderts unser Vaterland Oesterreich unter der glorreichen Negierung unseres unendlich gütigen, weisen, erhabenen Monarchen Kaiser Franz Joseph I. der Schauplatz einer schmachvollen religiösen Verfolgung werde". Uebrigens ist die Wendung, welche das energische Eingreifen des österreichischen Justizministers dem Polna-Prozeß gegeben hat und die von dem Polenklub eingereichte und von 31 Abgeordneten Unterzeichnete Interpellation, welche den Justizminister um baldige Abhilfe gegen die Nitualmord-Fabel-Verbreitung ersucht, nicht nach dem Geschmack der Antisemiten Schneider, Gregory und Genossen. Dieselben beeilten sich ebenfalls Interpellationen einzureichen, in denen sie unter dem Schutze der Immunität alle möglichen Personen wie z. B. den Rabbiner von Polna, den Schächter von Goltsch-Jenikau, der Theilnahme am Morde bezichtigten. Diese Interpellationen werden in dem antisemitischen Hetzblatt abgedruckt und dürfen als Reichsraths- Berichte nicht konfisciert werden. Dem Ritualmord-Märchen-Erfinder Schneider kam übrigens im Reichsrath Prinz Aloys' Liechtenstein in sensationeller Weise zu Hülfe. Der „Stampiglien"-Schneider hatte behauptet, Andrassy habe den Freispruch in Tisza-Eszlar trotz seiner Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten für nöthig erkärt, weil sonst das Volk vielleicht 20,000 Juden todtgeschlagen hätte und ohne Juden kein Geld zu beschaffen sei. Auf die Zufrufe: „Wem hat dies Andrassy gesagt?" erwiderte Prinz Liechtenstein: „Mir hat