Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 11 (November 1899)
- Article
- Zwei gutachtliche Aeußerungen
- Date
- 1899-11-01
- Page
- 593 (sequence 10)
- Language
- German
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Zwe; guracyuicye «eutzerungen. 59s Anklage, Zeugen und Merzte, sagt Prof. Masaryk weiter, hätten offenbar unter der Suggestion vom Ritualmorde gestanden. Man habe fort, und fort von einem Schnitte, von einem Durchschneiden des Halses gesprochen, und doch sei der Agnes Hruza der Hals nicht durchschnitten worden, sie sei einfach, wie aus dem Befunde hervorgehe, in den Hals gestochen worden. Der Stich entspreche dem Mchtspritzen des Blutes. Die Beschaffenheit der Wunde am Halse schließe aus, daß. ein Schlächtermesser verwendet wurde, weil dieses keine Spitze hat, das Instrument aber, welches angewendet wurde, spitzig gewesen sein müsse. Die fixe, abergläubische Idee des Schächtens entfalle übrigens schon durch das Datum selbst, weil am 29. März l. I. die jüdischen Feiertage schon vorüber waren. Ritualmörder wären gewiß geheim vorgegangen, hätten also nicht an einem Orte gemordet, der von Polna aus zu sehen war, und wären nicht bei helllichtem Tage mitten durch die Stadt zum Thatorte gelaufen. Die Nähe von Polna und der Umstand, daß alles zur Aufdeckung des Mordes direkt herausforderte, seien bemerkenswerthe Momente. Auch würde wohl ein geheimes Ritualsynhedrium nicht solche Leute verwenden, wie den Leopold Hilsner, den selbst Dr.Baxa einen gedankenlosen Menschen genannt habe. Der Ritualmord existiere überhaupt nicht, und würde irgend eine geheime Sekte Christenblut brauchen, so würde sie ihre Opfer wohl in der Großstadt suchen, wo das Verschwinden eines Individuums, um das sich niemand kümmert, gar nicht auffallen würde. In Zeiten, wo Juden geplündert und gepeinigt werden, könne es wohl vereinzelt Vorkommen, daß ein Jude einen Mord verübe, aber dann nur aus Rache, nicht zu rituellen Zwecken. Professor Dr. Masaryk weist weiter auf die krassen Widersprüche in den Zeugenaussagen hin, auf das unbestimmte Gutachten des Gerichtsarztes Prof. Dr. Reinsberg bezügliche der auf den Hosen Hilsner's gefundenen Blutflecke und auf die Einseitigkeit der Anklage, bemerkt, daß die Volksstimme ursprünglich nicht Hilsner, sondern eine andere Person als Thäter bezeichnet habe, und schließt mit folgenden Worten: „Ueber das Verhältniß des Polnaer Mordes zur Ermordung der Marie Klima will ich mich nicht in Kombinationen einlassen; möglich ist, daß beide Morde zusammenhängen, aber ganz anders, als der Antisemitismus vor- 40