Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- Leopold Treitel [Rezension]
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 569 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 569 Geschichte, neu bearbeitet von Dr. Leopold Treitel. Hier ist — zum ersten Male, wie ich glaube — mit der Herrschaft der alten Unmethode gebrochen und dem sittlich bildenden Momente zu dem ihm gebührenden Throne verholfen worden. „Bei der Auswahl des Stoffes," sagt der Verfaffer, „ist maßgebend für mich der Gesichtspunkt gewesen, ob und welchen ethischen BildungSwerth derselbe hat, weshalb solche biblische Abschnitte, die nur ein politisches Jntereffe in Anspruch nehmen, wie Stücke aus Salomo's Leben und der späteren Königsgeschichte nur gestreift, andere dagegen, wie die Propheten, ihr lebendiges Wort und ihre Thaten, betr. Kapitel aus Chronik, auch aus Jesaja und Jeremia in die Darstellung in gebührendem Umfang miteinbezogen worden sind." — Darüber aber wird Herr Dr. Treitel sich wohl klar geworden sein, daß sein Lehrbuch tüchtige Pädagogen zur Voraussetzung hat. Denn ethischen Bibelunterricht ertheilen, heißt nicht moralisieren, sondern «ine einfache, schlichte Darstellung durch sich selbst auf das Gemüth des HörerS wirken laffen, und das ist eine gar schwere Kunst. Der Verfaffer selbst kann sie, das hat er durch die Auswahl und Verwerthung des Stoffes bewiesen. Auch eine andere Seite der Bibel, welche ihr einen so hervorragenden Platz in der Weltliteratur erworben hat, hat in diesem Buche die ihr zukommende Würdigung erfahren — ihre von all der sinnlichen Gluth morgenländischer Pracht erfüllte Poesie. Poetische Abschnitte, soweit sie Aufnahme gefunden haben, hat der Verfaffer rhythmisch wiederzugeben sich bemüht. Ob das dabei zur Anwendung gekommene dithyrambische Versmaß dem Gefühle des jugendlichen Schülers entspricht, wird die Praxis erweisen müssen. Andererseits wiederum scheint mir der Verfaffer in seinem Bestreben, sich der im täglichen Unterricht von ihm beobachteten kindlichen, herzigen Ausdrucksweise des Schülers nach Möglichkeit anzupaffen, an einigen Stellen zu weit gegangen zu sein. Allein diese mehr formellen Mängel ließen sich in einer hoffentlich bald nothwendig werdenden zweiten Auflage leicht beseitigen. . Posen. M. L. Bei der Redaktion ist eingegangen: D. Leimdiirfer. Verhängnißvolle Schriftzeichen Mene Tekel. Zeitstimmen am Ende des Jahrhunderts. Hamburg 1900. A. Goldschmidt's Buchhandlung.