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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 568

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
Leopold Treitel [Rezension]
Date
1899-10-01
Page
568 (sequence 2)
Language
German
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568 Im deutschen Reich. durch sein AeußereS gefesselt wird. . . . Und warum? — Weil sie ihn garnicht sehen gelernt haben. Die Thatsache ist erschreckend, aber sie läßt sich nicht leugnen: Viele heutige Juden. — die orthodoxen nicht ausgeschlossen, — haben den tiefen ethischen Gehalt ihres Glaubens nicht in sich ausgenommen und haben sich von ihrer Religion zumeist nur das zu eigen gemacht, was sie von allen anderen trennt: ein leeres, gedankenlos geübtes Formelwesen. Die Schuld daran trägt zum weitaus größten Theil der biblische Geschichtsunterricht, wie er vielfach gehandhaht wird, welcher alles ist, nur nicht das, was er sein soll: ein Gesinnungsunterricht. Schon ein Blick auf manche Lehrbücher zeigt dies zur Genüge. Der Stoff wird um einzelne Helden gruppiert, deren Leben und Werke in den Vordergrund des Interesses gerückt sind, ja zumeist das ganze Jntereffe für sich in Anspruch nehmen. Jene gewaltigen Menschen, welche die Bibel schildert, werden — dies ist ein Kardinalfehler jener Lehrbücher — zu Nationalhelden herausstaffiert. „Herausstasfiert", das ist der einzig richtige Ausdruck dafür; denn in Wirklichkeit sind sie es nicht, können sie es garnicht mehr sein. Die Juden haben seit fast zwei Jahrtausenden aufgehört ein« Nation zu bilden, sie leben seitdem unter alle Völker der Erde zerstreut, nur in ihrem gemeinsamen Glauben einen geistigen, religiösen Mittelpunkt erblickend, und ihre eigenen Nationalhelden sollten sie noch haben?! Das Chaos, welches ob solcher Konsequenz und Logik in dem Kopfe der also unterrichteten Jugend entsteht, macht, wie jedes seelische Chaos, den Geist unfroh, unklar, — und so manches unklare und schiefe Urtheil über den „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" mag aus jener trüb chaotischen Quelle gefloffen sein. Möge man jene heldenhaften Figuren der Bibel als das behandeln, was sie in Wirklichkeit sind: als gewaltige Persönlichkeiten. Das rein Politische des Stoffes muß, da es jedes ethischen Bildungswerthes meistentheils entbehrt, auf das Nothwendigste beschränkt werden. „Ein anderes ift's eben, bib ische Geschichte und «in anderes, jüdische oder Geschichte Israels als politische schreiben; ein Gesinnungsunterricht, um mit der Herbart Ziller'schen Schule zu reden, soll der biblische Geschichtsunterricht sein, und was demselben nicht dient — darüber dürfte heute unter einsichtigen Schulmännern nur eine Stimme sein — ist Ballast." Dieser letzt citierte Satz entstammt dem Vorworte eines Buches, an welches ich durch jene Recension von Prof. Dr. M. Lazarus „Die Ethik des JudenthumeS" lebhaft erinnert worden bin: Biblische

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