Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- Gustav Levinstein [Rezension]
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 566 (sequence 2)
- Language
- German
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SSS 3m deutschen Reich. Wenn eS sich darum handelt, Gebhardt zu antworten, stellt sich der Verfasser auf den Boden des Schriftthums und der Ueberlieferung und beweist damit, mit welcher Hingebung er sich mit Fragen beschästigt hat, die doch weitab von seinem Berufe liegen. Gerade hierdurch zeigt der Verfasser, daß eS im Kampfe für und um das Judenthum einen Unterschied zwischen den Parteiungen im Judenthum nicht giebt; wie der strenggläubige Jude, so verwendet auch der freisinnige Verfasser seine Mußestunden dazu, sich mit dem Rüstzeug zu versehen, das ihn zum Kampfe befähigt und zum Siege führt. Man lese doch nur nach, wie kurz und treffend der Verfasser Seite 4 den Unterschied zwischen der Verheißung nach dem Alten Testament und dem Neuen Testament formuliert, wie belesen sich der Verfasser zeigt, wenn er die Bemerkungen Gebhardt's S. 5 ff. widerlegt. Statt vieler ein Beispiel (S. 8): L. hatte erklärt: „Der Tempel auf Moriahs Höhen mußte fallen, denn die Majestät des Ewigen ist an keinen Ort gebunden." Darauf wirft G. ein, er habe diese Erkenntniß im Alten Testament nicht gefunden, er glaube, daß L. eine Beweisstelle aus dem Alten Testament nicht beibringen könne und einen Mangel des Judenthums durch ein Anlehen beim Christenthum gedeckt habe. Unbekümmert darum, ob in diesen Worten ein beabsichtigter Hohn liege oder nicht, beruft sich L. auf Ex. 20, 31: „An jedem Orte, da Du meines Namens gedenkest, will ich zu Dir kommen und Dich segnen." Es wäre Silbenstecherei, mit L. darüber zu rechten, warum er der wörtlichen Uebersetzung die sinngemäße vorgezogen hat. In Wirklichkeit hat Israel diese Lehre seit undenklichen Zeiten in die That umgesetzt und an den entferntesten Orten in den verschiedensten Ländern Stätten der Gottesverehrung gegründet. Das hat Israel gethan und damit eine Mission unter seinen Glaubensgenossen erfüllt. Und weil es seine Mission nicht in der Bekehrung Andersgläubiger erblickt, deshalb ist es stets defensio gewesen und nie aggressiv geworden. Wir fühlen und leiden mit L., wenn er in gerechter Entrüstung über diejenigen, welcher Anstifter und Mithelfer zur Fahnenflucht sind, und über diejenigen, welche das Erbe der Väter in Kurzsichtigkeit oder Leichtsinn preisgeben, diesen zuruft: „Ihr verlaßt in schmählicher Feigheit eure Nächsten in ihrer Bedrängniß und flüchtet Euch zu denen, die ihnen die Wunden schlugen." (S. 11.) Nachdem der Verfasser sich mit dem Herrn Pastor auseinandergesetzt und so den Boden, aus dem er steht und kämpft, geebnet hat, wirft er die Frage auf, weshalb wir nicht Christen werden sollen. Die Antwort ist scharf und korrekt: Aus äußeren Gründen dürfen, aus innern können wir es nicht. Da L. seinen Gegner achtet, muthet er ihm