Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 556 (sequence 1)
- Language
- German
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656 Uerrinsrmchrichteu. er große, 600 Personen fassende Saal des „Geselligen Vereins der ***** Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstr. 9, war bis auf den letzten Platz gefüllt, und Hunderte strebten vergeblich, noch Einlaß zu gewinnen, als die erste allgemeine Central-Vereins-Verf a m m l u n g nach den Sommerferien am Donnerstag, den 5. Oktober, Abends 1/2 9 Uhr, eröffnet wurde. In tiefster Spannung lauschten die Zuhörer den geistvollen Ausführungen des früheren Abgeordneten Dr. Alexander Meyer. Derselbe leitete seinen Vortrag über „Spinoza und Goethe" mit der Erklärung ein, daß er in dem Vereine, welcher die Intoleranz bekämpfe, über einen aus dem Judenthum hervorgegangenen Mann zu sprechen beabsichtige, welcher der eigentliche Schöpfer der Toleranz- Vorstellung gewesen, die seitdem Gemeingut aller Völker geworden ist, in der Praxis zwar zuweilen verletzt, theoretisch aber nie verleugnet wird. (Wir hoffen in dem November-Heft den vollen Wortlaut dieses trefflichen Vortrages veröffentlichen zu können.) Den Empfindungen begeisterten Dankes, welche die Versammlung nach dem Schluffe des Vortrages dem Redner durch langanhaltenden Beifall bekundet hatte, lieh der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. M. H o r w i tz , weiteren beredten Ausdruck, wobei er es als einen Beweis für den Niedergang des Volkslebens bezeichnete, daß jetzt im politischen Leben solche Köpfe feiern müssen. Der Herr Vortragende, der mit so tiefem Wiffen und zündender Begeisterung die Beziehungen dargelegt habe, die zwischen zweien der größten Geister bestanden, verdiene den wärmsten Dank des Vereins. Die Versammlung gab durch abermaligen lebhaften Befall ihre Zustimmung kund. Aus dem Gebiete des Idealismus führten sodann die geschäftlichen Mittheilungen des Herrn Vorsitzenden in das reale Gebiet hinüber. Dabei streifte Herr Dr. Horwitz die beiden ausländischen Prozesse, welche die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens vielleicht nur deshalb so tief bewegen, weil ihre erbitterten Feinde diese Prozesse in fast unglaublicher Weise zu Agitationszwecken auszubeuten versuchen. Ihr Bemühen, dabei den angeblichen internationalen Charakter des Judenthums machzuweisen, sei mißlungen; vielmehr hätten sich in beiden Fällen die Antisemiten selbst als echte