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Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 555

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
Wien
Date
1899-10-01
Page
555 (sequence 3)
Language
German
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Korrespondenzen. 565 ein Volk aber, respektive Volksschichten, welche in wirthschaftlichem Fetischismus großgezogen wurden, werden de facto nur für die ver« schiedentlichen Vampyre jüdischer und christlicher Konfession geradezu präpariert. Dieser antisemitische Aberglaube, wie ersichtlich, ist allgemein, ist international; gegen ihn ist darum gemeinschaftliches Auftreten aller Gegner angezeigt. Sollte dieser Aufgabe diese meine Aeußerung irgendwie von Nutzen sein, verfügen Sie über ihre Veröffentlichung. Ihr ergebener Professor T. G. Masaryk. % Budapest, 10. Oktober. Von der Oberstaatsanwaltschast wurde der Redakteur der „Ungarischen Wochenschrift", Moritz Dornbusch, des preßpolizeilichen Vergehens angeklagt, weil in dem genannten Blatte, für welches keine Kaution erlegt war, Artikel politischen Inhalts erschienen seien. Dornbusch führte aber zu seiner Verantwortung an, daß er in jenen Artikeln lediglich gegen den Antisemitismus, als gegen eine soziale Krankheit zu Felde gezogen sei. Der Strafgerichtshof sprach denn auch Dornbusch frei und dieses freisprechende Urtheil wurde von der königlichen Tafel und schließlich auch von der königlichen Kurie bestätigt. — Das „Neue Pester Journal" berichtet: „Unter den heldenmüthigen Kombattanten des ungarischen Freiheitskampfes befand sich auch ein angesehener israelitischer Kaufmann aus Güns, B e r n h a r d S ch ö n t a g , der als Offizier der Nationalgarde des Eisenburger Komitats tapfer mitkämpfte und besonders bei der Verfolgung der Kroaten sich hervorthat. Er wurde später gefangen genommen und vom österreichischen Auditoriat zum Tode durch den Strang verurtheilt. Das Urtheil wurde in Güns am 23. Juni 1849 vollstreckt. Unter den Günser Bürgern ist nun eine Bewegung zur Errichtung eines Denkmals für Schönlag im Gange." Qh Petersburg. 9. Oktober. Das Ministerium für Volksaufklärung hat bestimmt, daß die im März d. I. von der K i e w e r Universität ausgeschiedenen Studenten jüdischen Glaubens, welche später wegen des festgesetzten Maximalsatzes von zehn Prozent nicht wieder ausgenommen werden konnten, jetzt unbeschadet dieser Festsetzung doch wieder ausgenommen werden sollen. Es betrifft dies etwa 200 jüdische Studenten.

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