Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-10-01 · Heft 10 (Oktober 1899) · p. 550

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 10 (Oktober 1899)
Article
Berlin
Date
1899-10-01
Page
550 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316660-2324786--05883-2324885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

650 Im deutschen Reich. widmete, wurde demselben nach gerühmt: „Seit 24 Jahren hat der nunmehr Verstorbene auf fast allen Gebieten der Gemeindeverwaltung seine besten Kräfte für das Gedeihen unserer Institutionen eingesetzt. Als Vorsteher des Krankenhauses und der Synagogen, als Mitglied und Vorsitzender der Armen-Kommission und zuletzt der Friedhofsverwaltung, als Repräsentant wie als Gemeinde-Aeltester hat er durch hingebenden Eifer und unermüdliche Thätigkeit ersprießlich gewirkt und das Wohl der Gemeinde, wie der ihm anvertrauten Institute gefördert." chj: Charlottenburg, 2. Oktober. Von der Stadtverordneten- Versammlung wurde Privatdozent Dr. I a st r o w zum unbesoldeten Stadtrath gewählt. X Breslau, 12. Oktober. Die „Breslauer Zeitung" berichtet: „Das Ritualmord Märchen hätte um Haaresbreite in der kgl. Provinzialhaupt- und Residenzstadt B r e SI a u sein Opfer gefordert. Im Gasthause von M. Widawer auf der Carlsstraße war der Kaufmann S. Wittelsohn aus Luttetow, ein ca. 30 Jahre alter Mann von prononciert jüdischem Aussehen, welcher hier Einkäufe für fein Geschäft zu machen pflegt, mit seinem etwa 4 Jahre alten allerliebsten Töchterchen Nahel, einem Kinde mit blondem Haare, abgestiegen. Als Vater und Tochter Abends in der Dämmerstunde vom Märkischen Bahnhofe, wo Wittelsohn Jemanden hatte empfangen wollen, aber nicht angetroffen hatte, über den Berliner Platz zu ihrem Gasthofe heimwärts wanderten, trat plötzlich eine Frau aus dem Volke an den in polnische Nationaltracht gekleideten Wittelsohn heran und frug ihn, wem das Kind gehöre. Auf seine Antwort: „Das ist mein Kind," rief die Frau mit erregter Stimme: „Das ist nicht wahr, das ist kein Judenkind, das Kind habt Ihr gestohlen, um es abzuschlachten, um sein Blut in Euern Mazzes zu verbacken." Die Scene hatte, da die Frau sich immer mehr in Erregung hineinredete, einen Menschenauflauf zur Folge, der so große Dimensionen annahm, daß der bedrängte Jude im nächsten Polizeikommissariat Hilfe suchen mußte. Während sich dort bald herausstellte, daß seine Angaben richtig seien, schwoll die Menschenmenge draußen immer mehr an und als schließlich Wittelsohn und Kind, von einem Schutzmann begleitet, den Heimweg nach dem Hotel antraten, liefen Hunderte Menschen hinterher, die besonders am Carlsplatz, wo sich die Menge staute und wo ein betrunkener Schnapsbruder aufreizende Reden hielt, ein« bedrohliche Haltung annahmen, so daß der Schutzmann mit seinen Schützlingen noch kurz vor dem Gasthaus in das Geschäft von Leopold Maizner flüchten mußte. Erst -als sich die Menge einiger-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.