Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-10-01
- Page
- 544 (sequence 11)
- Language
- German
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544 Im deutschen Reich. Moment nicht genügend gewürdigt." — Ein anderes Moment, welches die deutsch-soziale ReformparLei zu ihrem größten Schaden nicht gewürdigt hat, ist, daß es zahlreiche protestantische Geistliche giebt, welchen durch den Antrag auf Ausscheidung des Alten Testaments aus dem christlichen Religionsunterricht darüber ein Licht aufgegangen ist, wohin die Stöcker'sche Agitation geführt hat und gegen den Willen des Urhebers schließlich führen mußte. In einem von der „Kreuz-Ztg." am 5. Oktober theilweise abgedruckten Artikel der „Allgemeinen Evangelisch-Lutherischen Kirchenzeitung" wird zum Schluß ausgeführt: „In der That, es bedarf keiner öden Konsequenzenmacherei, um aus jenen Prämissen auf eine völlige Verwerfung der göttlichen Offenbarung zu schließen, und wenn wir auch allen Grund haben, bei den Rednern des Hamburger Parteitages das religiöse Wissen auf ein Minimum zu beschränken und ihrem christlichen Urtheil so gut wie nichts zuzutrauen, so viel werden doch auch sie sich sagen, daß ihre Anschauung vom Alten Testament auch das Neue über den Haufen wirst und die Autorität Christi vernichtet. Es bedarf darüber gar keiner Worte. Schon ein kleines Schulkind weiß, daß Jesus nicht gekommen ist, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen. Aus solchen Aeußerungen, wie sie in Hamburg gefallen, spricht nicht nur ein antijüdischer, sondern auch ein antichristlicher Geist. Es wäre dringend zu rathen, daß man hier überhaupt nicht mehr das Christenthum in den Mund nähme und von einer Befreiung des deutschchristlichen Geisteslebens faselte. Was diesem Rassenantisemitismus allein entspricht, ist der Kultus eines Nassengermanismus, bei dem vom Christenthum nichts übrig bleibt, vielleicht auch bald nichts mehr vom deutschen Volke selbst, dem wahrhaft „auserwählten". Gewiß sind nicht alle Antisemiten dieser Ueberzeugung, und auch in Hamburg mag mancher nur mit innerem Protest jenen Ausfällen gefolgt sein. Aber sie halten damit den rollenden Wagen nicht auf, und die große Masse folgt stets den Extremen." Mit dem Schlußsatz hat die „Kirchenzeitung" eine Erfahrung ausgesprochen, deren Richtigkeit sich stets auch im politischen Leben und jetzt besonders in Oesterreich zeigt, wo der Bürgermeister Dr. Lueger und seine Trabanten längst von den Extremen überflügelt sind und deshalb den Kuttenberger Mordprozeß als ihren letzten Rettungsanker betrachten. Der „Köln. Ztg." wird aus Wien geschrieben: „Eine Schrift „Begrabene Millionen" berechnet den durch Parteiverblendung, Leichtsinn und Thorheiten der Stadt bereiteten Schaden auf 45 Millionen Gulden. Jedenfalls ist, der