Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Prag
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 493 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 49$ anzuschlagen i ft. Noch weniger kann es mir beifallen, meine Religion, der die Menschheit den Monotheismus und die zehn Gebote, also auch das Gebot „Du sollst nicht tödten" verdankt, gegen die Anklage des „Nitualmordes" auch nur mit Einem Wort« in Schutz zu nehmen. Ich würde mich schämen, Jude zu sein, und würde es keinen Augenblick länger bleiben, wenn in irgend einer biblischen oder rabbinischen Schrift diese Scheußlichkeit gelehrt oder gebilligt würde,. ja wenn ich auch nur wüßte, daß das Judenthum jemals eine Sekte, sei auch die Zahl ihrer Anhänger noch so klein, aus sich geboren hätte, die den Mord irgend eines Menschen, noch dazu zu religiösen Zwecken, gutheißen und von Menschenblut einen rituellen Gebrauch machen würde. Ich glaube, ich kenne mein Judenthum vielleicht besser, als die Antisemiten ihr Christenthum, und ich fürchte nicht, daß man, mich beim Worte haltend, mich so bald durch Beweise zwingen wird, meinen Glauben aufzugeben." In wie weit dem. angeblichen Geständnisse des Hilsner, von welchem die Tageszeitungen in letzter Stunde berichten, Bedeutung beizulegen ist, wird stch erst nach Eingang genauerer Feststellungen ermessen lassen. Schon jetzt ist aber zu ersehen, daß dies angebliche Geständniß und die Bezichtigung von Mitschuldigen unter dem Drucke der Todesangst erpreßt und in der Hoffnung, sich dadurch zu retten, von Hilsner abgegeben ist. Es bedarf keines Hinweises, daß solche Geständnisse keinen größeren Werth haben, als diejenigen, die so häufig unter der Tortur erfolgt sind. Brüssel, 11. September. In der „Uevne Le droit international XII (Bruxelles 1899) veröffentlicht S. 127—144 ein belgischer Jurist Giro» eine Studie: „De la condition juridique des juifs“. Er zeigt, wie die Juden Jahrhunderte hindurch nur ihrer Konfession wegen maßlose Zurücksetzungen in der Rechtsstellung und heftige Verfolgungen zu erleiden hatten. Er führt, indem er die Frage behandelt, ob die Juden auch, wo sie sich anderen Gewerben widmen könnten, sich durch Wucher ernähren, eine von ihm nachgesuchte Auskunft von dem Polizeidirektor in Brüssel über die dortigen Verhältnisie an. Diese ist für die Juden sehr günstig. Unter 200—300 Wucherern sind kaum 1ji0 Israeliten. Giron schließt mit folgenden schönen Worten: La conclusion de cette fetude, c’est qu’il faut pratiquer la justice envers les juifs aussi bien qu’enversles sectateurs des autres cultes, les tralter non comme des pourceaux, mais comme des liommes; non comme des etrangers ou des ennemis, mais comme des freres et des con-