Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 485 (sequence 9)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 485 Manöver d«S GardekorpS schreiben: „Bei einem alten j üdischen, geizigen Gutsbesitzer waren ein Wachtmeister und einige Ulanen «in« quartiert. Diese sollten für ihre Pferde etwas Hafer entwendet haben, und der Gutsbesitzer lief spornstreichs zum Wachtmeister und beklagte sich über den vermeintlichen Diebstahl. Da kam er aber schön an; der Wachtmeister maß ihn verächtlichen Blicks und sagte: „Wissen Sie was, mein Herr? Das merken Sie sich ein für alle Mal, Königlich preußische Dien st pferde fressen überhaupt keinen gestohlenen Hafer." Sprachs, ließ den Juden stehen und ging davon. Der alte Geizhals brauchte für den Spott durch die umstehende Menge nicht zu sorgen." — Zu diesem Bericht bemerkt die „Freisinnige Zeitung": „Dieser antisemitische „Witz" ist schon so uralt, daß ihn die Edelsten unserer Nation bereits machen konnten, als sie noch im Mittelalter als Wegelagerer dem Näuberhandwerk nachgingen." Unter der Ueberschrift „Mühlendämlicher Antisemitismus" druckt der „Vorwärts" folgende charakteristische Briefkasten-Notizen der „Staatsbürger-Ztg." ab: Leb., 8 t v e h 1 e n. — Für diesen Monat ist die Zusendung nicht mehr rückgängig zu machen. Sie werden auch in der „Staatsb.-Ztg." manches finden, was Ihre Zeitung nicht bringt, und werden sich daher wohl gern die Zeit nehmen, in diesem Monat beide Zeitungen zu lesen. W. L., Halberstadt. — „Trotz alledem" hätten Sie uns freundlichst antworten sollen, als wir uns gestatteten, an Sie zu schreiben. „Die Ankunft auch nur eines Exemplars" läßt sich unsererseits jetzt nicht mehr vermeiden. Lesen Sie die Zeitung nur, dümmer werden Sie nicht. „Trotz alledem mit deutschem Gruß!" R., Fichtenau. Alles Geschäft! Was bringt die Furcht vor den Juden nicht Alles fertig! «b> M.-G!adbach, 1. September. Vor iya Jahren wurde in Viersen beschlossen, das Schächten im dortigen Schlachthofe insofern einzuschränken, als christlichen Metzgern das Schächten ganz untersagt, jüdischen Metzgern aber nur für je ein Stück Groß- und ein Stück Kleinvieh in der Woche gestaltet werden solle. Damals wurde mit Rücksicht auf die schwebende Rheydter Schlachthof-Angelegenheit die Durchführung des obigen Beschlusses ausgesetzt. In Folge des dort erfolgten ministeriellen Bescheides, wonach der Minister sich in dieser Sache als nicht zuständig erklärte, gab neuerdings die Viersener Schlachthof-Kommission durch Anschlag bekannt, daß der be-