Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 456 (sequence 8)
- Language
- German
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466 3m deutschen Reich. keit und Glaubwürdigkeit auch in den niedrigsten Kreisen der christlichen Bevölkerung, und man darf nicht sagen, wie das gleich hinterher der Herr Justizminister auSspricht, daß das auf einem Vorurtheile der Christen gegen die Juden beruhe. Das ist gewiß nicht die paffende Bezeichnung, es blos ein Vorurtheil zu nennen, wenn man eben einen Meineid leisten will. Nein, m. H., das würde Zeugniß geben von einer sittlichen Verwahrlosung, gegen welche Sodom und Gomorrha noch in einem Heiligenschein erglänzten. Nein, m. H., so schlimm steht es in unserem Lande nicht. Kaum hat der Herr Justizminister aber diese Aeußerung hören lasten, so kommt er auf eine zweite; und ich überlaffe Ihnen zu beurtheilen, wie weit die beiden mit einander harmonieren. Er sagt: „Sie nennen das ein Vorurtheil." — Die Christen nämlich. — «Ich glaube nicht, daß man es generell ein Vorurtheil nennen kann; es liegt eine tiefe Religiosität im Deutschen." Und doch setzt er eine solche geringe Glaubhaftigkeit voraus. „Der Deutsche," sagt er. Er betont damit ausdrücklich, daß die Juden eben ein fremdes Element in der Staatsbevölkerung sind. Als solche bezeichnet er sie, indem er von der tiefen Religiosität der Deutschen etwas sagt und hinzufügt, daß diese eben nur dulden, daß Jemand evangelischer oder katholischer Religion ihnen solche Vorhaltungen macht. Run, m. H., ich will über die Nationalitätsfrage mich nicht weiter in Erörterungen einlaffen, aber das würde ich, wenn der Herr Justizminister mir hier gegenüber säße — und ich bebaute, daß es nicht der Fall ist — das würde ich ihm laut und vernehmlich zurufen, daß wir preußischen Juden uns als gerade ebenso gute Preußen und Deutsche erachten, wie der Herr Minister sich selbst etwa. Die Geschichte giebt für uns Zeugniß." Gegenüber den wiederholten Aeußerungen, daß die Juden, so lange sie ihrem Glauben treu blieben, keine Stellungen als