Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 436 (sequence 1)
- Language
- German
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436 Keremsnachrichten. 'MWoch sind die Tage der Rosen, noch prangt die Natur in sommerlicher Pracht und ladet zu friedlicher Erholung ein. Hiese freundliche Ruhepause soll aber nicht erschlaffend wirken, sondern nur die Kraft zu erneutem mannhaften Wirken stählen. Wenn der Sommer zur Rüste geht, muffen wir neugerüstet dastehen zum Kampf für Recht und Ehre, denn unsere Gegner sind wie aufgeregtes Meer und wollen keinen Frieden. Zeitweise glätten sich wohl die Wogen, aber auf Wellenthäler folgen wieder Wellenberge, auf Windstille folgen heftige Stürme, und noch ist unser Schiff dem sicheren Hafen fern, in dem der deutsche Jude sich der ihm feierlich zugesagten Gleichberechtigung in Frieden erfreuen, wo er sich vollständig geschützt fühlen kann gegen jede Rechtskränkung und gesellschaftliche Zurücksetzung. Daß das Toben des wüsten Radau-Antisemitismus nachgelassen hat, darf uns nicht sorglos machen, denn weit größere Gefahren bergen jene fast unsichtbaren Klippen der in vielen Kreisen noch Liefwurzelnden mittelalterlichen Vorurtheile und jener mit Feigheit gepaarten Abneigung, einem viele Jahrhunderte hindurch in ungerechtester Weise eingeschränkten Theile der Bevölkerung den vor drei Jahrzehnten fest versprochenen völlig freien Wettbewerb auf allen Gebieten endlich thatsächlich zu gestatten. Aufhören sollte endlich jene Verwaltungspraxis. welche es dahin. bringt, daß in vielen Fällen die Gleichberechtigung sich als Illusion erweist, jene Praxis, die auf die mit Vorrechten beschenkte Mehrheit demoralisierend einwirkt, während die in ihren Rechten gekränkte Minderheit sich zu verdoppeltem Streben auf den wenigen ihr noch zugänglichen Gebieten gezwungen sieht. Bei diesem unhaltbaren Zustand dürfen wir uns schon deshalb nicht beruhigen, weil er nicht nur uns schädigt, sondern das gesammte Vaterland, dasjetztmehr als jeder unbehinderten Mitarbeit aller fähigenBürger bedarf, jenes friedlichen Zusammenwirkens aller Kräfte, welches nur bei völliger Rechtsgleichheit möglich ist. Diese mit allen gesetzlichen Mitteln zu erstreben, ist eine Ehrenpflicht, der sich kein deutscher Jude entziehen darf; durch zielbewußtes einträchtiges Vorgehen wird dieses Streben schließlich mit Erfolg gekrönt werden. Eine halbe Million Staatsbürger bildet einen ansehnlichen Bestandtheil des deutschen Volkes, deffen gerechte Ansprüche berücksichtigt werden müssen und sicher in höherem Maße als bisher berücksichtigt worden wären, wenn es diesem