Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 427 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 427 absolut von jeder Voreingenommenheit gegen daS Judenthum frei. Aber auch grade wir sind «s, die sich über jüdische Flegeleien und Frechheiten mehr alS jede andere Konfession zu beklagen haben. DaS jüdische Witzblatt „Ulk" scheut sich nicht, die heiligsten Gefühle der Katholiken in einer Weise dem Spott und Hohn zu überantworten, die geradezu den Staatsanwalt herausfordern. Nie finden wir aber, daß von maßgebender jüdischer Seite, wie leicht es auch gethan wäre, diesem Treiben Einhalt geboten würde." — Daß die Zeitschrift „Germania" sich von jeder Voreingenommenheit gegen das Judenthum frei weiß, ist eine überraschende aber gewiß sehr erfreuliche Neuigkeit. Daß für das Witzblatt „Ulk" nur die christlichen Redakteure desselben verantwortlich zu machen sind, ist aber eine sehr alte Sache. Daß auf diese Redakteure von jüdischer Seite leicht Einfluß zu üben wäre, ist unzählige Male wiederlegt worden. Die Wiederholung dieser Behauptung ist wohl — nur ein „W" der „Germania"! Unter der Ueberschrift: „Eine antisemitische Sitte" berichtet die „Volks-Zeitung" kürzlich: In seiner Rede über die Zuchthausvorlage führte der Abg. Heine aus: „Ueber die vielen absonderlichen Dinge in der Denkschrift haben sich andere Herren schon ausgesprochen, aber e i n Stück ist noch nicht erwähnt, das ist das st ä r k st e, was die Denkschrift leistet. Da wird Seite 28 erzählt, daß an der Thür eines gewissen Ortes ein Vers.angeschrieben worden sei!! Wenn die Regierung alle auf Bauplätzen und den Thüren zu derartigen Lokalitäten angeschriebenen Verse durchsuchen wollte, könnte sie noch viel mehr ähnliche Verse finden. (Heiterkeit.) Es ist hier in der Mark Brandenburg eine verbreitete nicht gute Sitte, an solchen Thüren allenthalben antisemitischeVerslein anzuschreiben, und ich habe noch nie gehört, daß man ein Ausnahmegesetz gegen Antisemiten deswegen machen will. Nachdem also die Denkschrift in höchst spaßhafter Weise diese Schauergeschichte erzählt hat, fährt sie fort: „Hierdurch geängstigt, haben, wie der Regierungspräsident zu Potsdam berichtet, thatsächlich einige arbeitswillige Gesellen die Arbeit niedergelegt und den Ort verlassen." (Große Heiterkeit.) Hoffentlich haben sie den „Ort" nicht zu eilig verlaßen, sonst könnte es ihnen schlecht gegangen sein." (Heiterkeit.) — Hierzu bemerkt die „Volks-Zeitung": „Richtig ist. daß die Antisemiten mit Vorliebe gewisse Oertlichkeiten aufsuchen, um dort ihr edleü christlich - germanisches Empfinden in duftenden Versen an den Mann zu bringen. Spuren dieser Gummisteinpel- und Rüpel-Poesie