Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 426 (sequence 3)
- Language
- German
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426 3m deutschen Reich. noch einige Hundert Exemplare der Nummer, in welcher die aufreizende Rede, die Graf Pückler-Kl.-Tschirne in der antisemitischen Versammlung bei Buggenhagen gehalten hat, vollständig abgedruckt war. Die „Staatsbürger-Ztg." berichtet selbst: „Wie auS dem uns zugestellten „Beschluß in der Strafsache eontra Wilberg und Gen." hervorgeht, ist der Artikel mit der Ueberschrift: „Die dritte Pücklerversammlung in Berlin" beanstandet worden, weil die Wiedergabe der Rede des Grafen Pückler in der Versammlung am vorigen Sonnabend „bezweckt unv geeignet ist", in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander aufzuhetzen, also wieder ein Verstoß gegen den § 130 des Strafgesetzbuches darin gesunden wird!" DaS Dresdner Antisemitenblatt bemerkt hierzu: „Mit unserer Ueberzeugung können wir nicht zurückhalten, daß Berlin wohl der einzige Ort im Deutschen Reiche ist, wo eine solche Beschlagnahme stattfinden konnte." Die „Deutschs Wacht" wagt die Pückler-Rede nachträglich vollständig abzudrucken, weil sie in dem einzigen Ort erscheint, von dem sie annimmt, daß dort eine solche Beschlagnahme nicht wahrscheinlich sei. —.Graf Pückler selbst veröffentlicht am 17. d. M. in der „Staatsbürger-Ztg." eine Erklärung, in welcher er die Beschlagnahme der von ihm am 5. August gehaltenen Rede „auf die Thätigkeit des jüdischen Denunziantenvereins" zurückführt. Wenn er damit — wie es scheint — den Central-Verein meint, so genügt wohl die Versicherung, daß dieser sich um seine Rede nicht ge. kümmert hat, im Uebrigen auf seine Beleidigungen nicht reagiert, so lange die in dem Glogauer Urtheil enthaltenen Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Grafen nicht durch eine Reichsgerichtsentscheidung beseitigt sind. „Der Dreschflegelgraf macht Schule", schrieb kürzlich das „Berliner Tageblatt": „Die Eisenbahnwagen müffen, wie zu Stöcker's Zeiten, wieder herhalten. So stand in einem Nichtraucherabtheil des Wagens Nr. 2150 der Wannseebahn in Lapidarschrift eine an Damen gerichtete antisemitische Aufforderung, wie sie an Pöbelhaftigkeit ihresgleichen sucht. Die Handschrift war die eines gebildeten Mannes, der ein „Pückler-Kolleg" mit Erfolg besucht zu haben scheint. Der Wagen cirkulirte den ganzen Nachmittag, so daß zahlreiche Fahrgäste unter diesem antisemitischen Buben st reich zu leiden hatten!" — Daran knüpfte die katholische „Germania" nachstehende Bemerkungen: „Grade wir sind es gewesen, die von jeher den Antisemitismus verurtheilt haben und wissen uns darum