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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 410

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Antisemitismus in der Wissenschaft
Date
1899-08-01
Page
410 (sequence 8)
Language
German
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410 3m deutschen Reich. zuführen, welchen die eifrige Betheiligung der Juden an allen Wissenschaften bei den nichtjüdischen StaatSgenofsen Hervorrufen könnte, und in der That hat es nicht an Stimmen gefehlt, welche sich in diesem Sinne äußerten. Ich bin nicht dieser Meinung. Bei kleinen Geistem mag wohl durch Neid und verwandte Gefühle die Sympathie für die Sache des Antisemitismus verursacht worden sein, bei den Großen im Reiche des Geistes ist dies gewiß nicht der Fall. T r e i t f ch k e war nicht Antisemit, weil er auf die jüdischen Historiker neidisch gewesen wäre, und Richard Wagner nicht, weil ihn die Leistungen von Meyerbeer mit Neid erfüllt hatten, nein, die Ursache ist vielmehr darin zu erblicken, daß die Widerstandsfähigkeit der Vertreter der Wissenschaft gegen die Tagesströmungen vielfach eine schwächere geworden ist. Auch die Wissenschaft ist ein Kind ihrer Zeit und wie sich in seinen Göttern der Mensch malt, so in der Wissenschaft das Denken und Fühlen, das Lieben und Hassen der Menschen, mit einem Worte die Lebensäußerung der Volksseele. Geistige Epidemien haben aber mit den Volkskrankheiten das gemein, daß sie nach verhältnißmäßig kurzer Zeit — kurz im Sinne der Geschichte — wieder verschwinden und so wird es auch mit dem Antisemitismus in der Wissenschaft gehen. Um so eher wird dies aber der Fall sein, je entschiedener wir jedem Eindringen des Antisemitismus in die Wissenschaft entgegentreten nach dem Ausspruche des größten Dramatikers: „Wahrhaft groß sein heißt, um Großes nur sich regen. Doch eines Stro hhal ms B reite zu verfechten, wenn Ehre auf dem Spiel". Wie könnte aber die Ehre einer großen Gemeinschaft, die Kollektivehre, empfindlicher und nachhaltiger angetastet werden, als durch Verunglimpfungen, welche sich auf die Wissenschaft stützen? Es ist ein Gebot der Sittlichkeit, für das angegriffene Recht zu kämpfen, der kategorische Imperativ erheischt den Kampf um das Recht in dem Sinne I h e r i n g ' s, des unübertroffenen Meisters der Rechtswissenschaft; auch die Abwehr des wissenschaftlichen Antisemitismus ist ein Kampf um das Recht, für die künftige Entwicklung der Stellung der Juden der wichtigste und schwierigste. Darum lassen

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