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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 409

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Antisemitismus in der Wissenschaft
Date
1899-08-01
Page
409 (sequence 7)
Language
German
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Antisemitismus in der Wissenschaft. 409 Nietzsche'schen Lehre verträgt sich die jüdische Ethik nicht, und dies mag wohl für die Urtheile Nietzsche's über die Juden als erklärend in Betracht kommen; die jüdische Ethik kennt keine Herr enmoral, welcher die Sklavenmoral gegenübersteht, sie erkennt die Lehre vom „Jenseits von gut und böse" nicht an, sie hat kein Verständniß für die U e b e r m e n s ch e n, welchen die Verwirklichung ihres Willens schlechthin gestattet ist. Wir kennen nur eine Moral, welcher jeder unterworfen ist, der Fürst wie der Knecht, der Gelehrte wie der Ungebildete. Die Nietzsche'sche Philosophie ist mit dem Wesen der jüdischen Ethik absolut unvereinbar, und die Juden machen keinen Anspruch darauf, Uebermenschen im Sinne des Verfaffers von „Also sprach Zarathustra" zu sein. Nietzsche hat über die Bibel auch anerkeunende Worte geäußert und stellt sie theilweise sogar höher als das Evangelium, aber trotzdem ist ihm das richtige Verständniß für die jüdische Volksseele nicht aufgegangen. Wir haben uns damit abfinden müssen, daß der große Frankfurter Lenker uns feindlich gegenüberstand, wir müssen uns auch absinden mit der Antipathie des Mannes, dessen Lehren in der heutigen Gesellschaft eine große Gemeinde begeisterter männlicher und weiblicher Anhänger gefunden haben; ob zum Besten der Entwickelung von Staat und Gesellschaft, das steht allerdings dahin. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß die jüdische Ethik mit ihrer Betonung des kategorischen Imperativs im Sinne Kant's ungleich höher steht als die allerdings für die individuelle Selbstsucht viel bequemere Lehre vom Uebermenschenthum. Es ist kein erfreuliches Bild, das ich Ihnen, vorführen durfte, die Erscheinung, auf welche ich Ihre Aufmerksamkeit lenkte, ist vielmehr eine höchst betrübende. Männer, welche zu der Elite der Nation gehören, Männer, die zu den geistigen Führern, gezählt werden müssen, haben sich gegenüber der Rassen- und Religionsverhetzung nicht die Objektivität bewahrt, welche doch für den echten Priester der Wissenschaft der Tugenden oberste sein muß. Die Forschung ist in den Dienst der Tagespolitik, theilweise sogar in den Dienst der Demagogie gestellt worden und hat damit vielleicht das schönste Blatt in ihrem Ruhmeskranze verloren. Es liegt nahe, diese Infektion der Wissenschaft mit antisemitischem Gift theilweise auf das Gefühl des Neides zurück-

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