Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- Ein verkanntes Proletariat
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 401 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Lin verkanntes Proletariat. 401 wo gearbeitet wird, Arbeiterverzeichniffe zu halten. Ich glaube nicht, daß dies Abhitlfemittel dem „Sweattng" den Todesstoß versetzen wird. Man täuscht sich, wenn man glaubt, daß der Eigenthümer oder gar die Zwischenmeister wahrheitsgemäße Verzeichniffe halten würden oder auch nur halten könnten. Die Hausbesitzer sind sehr häufig reiche Leute, die fern vom East End wohnen. Deshalb werden st« die Ausführung jener Vorschrift dem Portier überlaffen, und es wäre wohl etwas naiv, sich ein« zubilden, daß der Portier stets über die Beobachtung einer gesetzlichen und gerechten Vorschrift wachen würde und die Unternehmer es nicht verstehen würden, in ihm einen Mitschuldigen zu finden. Und wie, wenn der Hauseigenthümer zugleich Werkstattbesitzer ist, — ein Fall, der sehr häufig vorkommt. Soll er sich dann etwa selbst anzeigen? Eugen Schwiedland zählt in seinen dem Internationalen Arbeiterschutzkongreß in Brüssel im Jahre 1897 erstatteten Berichten alle Maßnahmen auf, die in den verschiedenen Ländern zur Bekämpfung der Hausarbeit getroffen worden sind. Untersucht man sie, so findet man, daß es ganz unmöglich ist, ein allgemeines Gesetz oder gleichartiges Mittel zur Beseitigung des „Sweating" zu erlassen. In jedem Lande erscheint dies System in anderer Gestalt, und so wird man für jedes von ihnen auch besondere Mittel zur Bekämpfung in Anwendung zu bringen haben. Für England, speziell für London, sehe ich kein anderes Mittel, als die gesetzliche Unterdrückung der Hausarbeit; unter dieser verstehe ich nicht jene häufige Erscheinung, daß eine Frau durch Arbeit in ihren Mußestunden sich einen Nebenverdienst verschafft, denn in diesem Falle würde das Verbot einen Eingriff in ihre persönliche Freiheit bedeuten, sondern den Fall, wo bezahlte Arbeiter im Hause beschäftigt werden. Es ließe sich gegen ein solches Gesetz einwenden, daß dadurch Tausende von Arbeitem auf's Pflaster geworfen würden. Allein, dies bedauernswerthe Ergebniß ließe sich abwenden, wenn man in folgender Weise zu Werke ginge: Man beginne damit, das „Sweating" in einer Branche, z. B. der Kleiderkonfektion, zu unterdrücken, und setze eine Frist an, nach deren Verlauf die Hausarbeit ganz verboten wird. In dieser Zeit wird die Zahl der „Greeners" nicht beträchtlich