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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 400

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Ein verkanntes Proletariat
Date
1899-08-01
Page
400 (sequence 5)
Language
German
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400 «eni]ajen Lveicq. lernte einen Fall (leider habe ich nicht das Recht, den Namen zu nennen), wo ein Angestellter eines großen Londoner Konfektion-« Hauses wöchentlich von einem „Sweater" eine bestimmte Geldsumme dafür bekam, daß er ihm Aufträge von der Firma, bei der er angestellt war. verschaffte. Andererseits verlangen die Besitzer der Waarenhäuser von ihren Angestellten, daß ste ihnen billige Arbeitskräfte ausfindig machen; alles dies fällt schließlich wieder auf den Arbeiter, aber ebenso auch auf den „Sweater" zurück. Die wahren „Sweaters", die Hauptausbeuter, sind die großen Waarenhäuser der Oxford Street und Regent Street, welche in ihren Schaufenstern zur Anlockung des Publikums ein Beinkleid zu 6 8h. und ein Paar Schuhe für 3'/, sh. ausstellen. Die wahre und einzige Ursache des „Sweating" ist weder der Vermittler, noch die Einwanderung, noch der Jude, sondern die „Hausarbeit". Im „Homework" ist die Wurzel aller geschilderten Mißstände zu suchen. Man hat in den letzten Jahren zahlreiche Abhülfemittel gegen da» „Sweating" vorgeschlagen. In seinem Bericht von 1888 empfiehlt Mr. John Burnett folgende fünf Mittel: Einschreiten der Gesetzgebung, der Verwaltung, Wohlthätigkeit, Bildung von Genossenschaften und Aenderungen in kaufmännischer Hinsicht. Die beiden ersten Mittel könnten vielleicht die Lage der Arbeiter erleichtern, werden jedoch niemals das „Sweating" beseitigen, aus dem Grunde, den ich oben entwickelt habe. Was das Eingreifen der Wohlthätigkeit anbetrifft, so bin ich nicht der Ansicht, daß sich Wohlthätigkeit und Gewinnsucht vereinigen läßt. Ueber die Genossenschaftsidee schließe ich mich dem Urtheil von Mrs. Sidney Webb an, welche dieselbe als „absurd" bezeichnet. Wenn sich nicht einmal die Bildung von Gewerkschaften unter den Arbeitern des East End erreichen läßt, wie will man es da zur Errichtung von Genossenschaften bringen. Hinsichtlich des kaufmännischen Mittels, welches darin bestehen soll, daß die großen Geschäfte ihre Leute in ihren eigenen Werkstätten beschäftigen, stimme ich mit Mr. John Burnett überein, jedoch unter der Bedingung, daß diese kaufmännische Maßregel in eine gesetzgeberische umgewandelt wird. Mrs. Sidney Webb empfiehlt, die Verantwortlichkeit für den Gesundheitszustand der Werkstätten den Eigenthümer und Unternehmer tragen zu lassen und sie zu zwingen, in allen Räumen,

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