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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 390

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Die Jahresberichte
Date
1899-08-01
Page
390 (sequence 2)
Language
German
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390 3m deutschen Reich. Die reformatorischen Bewegungen im Judenthum seit der Mendelssohn'schen Zeit gingen im Wesentlichen dahin, aus dem Judenthum das rein Menschliche, aus den Volkssitten das Sittliche, aus dem historisch gewordenen Kultus den idealen Monotheismus heraus zu destillieren. Dies sind Bestrebungen, die gewiß auch heute noch nicht veraltet sind und niemals veralten werden. Aber wie der Mensch nicht allein eine Seele, sondern auch einen Körper hat, so gehört zum Verständniß einer so einzigartigen Erscheinung, wie es das Judenthum ist, auch die Kenntniß der Aeußerlichkeiten, unter denen cs auftritt. Wir glauben daher, daß es des Schweißes der Edlen wohl werth ist, diese Aeußerlichkeiten zu studieren und nicht von der Thurmhöhe des Schiller'schen Hans metaphysicus auf dieselben herabzublicken. So haben denn die Männer ganz recht, welche Seder-Schüsseln, Gebetbücher, Chanukaleuchter, alte Heirathskontrakte, Schutzbriefe u. dergl. sammeln und aus diesen Gegenständen, die — zur Zeit wenigstens — von der Mehrzahl unserer gebildeten Glaubensgenossen mit einem gewissen Gefühl von Gänsehaut angesehen werden, ein stattliches Museum zusammenstellen. Die Zwecke der drei gedachten Unternehmungen sind nicht ganz identisch, wie schon ihre Namen zeigen: Hamburg will ein möglichst vollständiges Repertorium über jüdische Sitten und Gebräuche, Volkslieder, Trachten u. s. w. Herstellen. In Düsseldorf wird versucht, ein „Vorlagewerk für israelitische Kultusgegenstände" herauszugeben. Der Wiener Aufruf betont in erster Linie die Anlegung eines „Museums". Wollte man einem Berliner die feineren Unterschiede dieser Bestrebungen klar machen, so würde man sagen: die Hamburger wollen etwas schaffen, das dem Völkerkunde- und Volkstrachtenmuscum entspricht, die Düsseldorfer neigen zu einem Kunstgewerbemuseum, die Wiener endlich haben ein klassisches Museum im hohen Style unserer Lustgartensammlungen im Sinne. Es ist möglich, daß sich im Laufe der Arbeit diese Nuancen verwischen; eine schädliche Konkurrenz wird schon wegen der großen räumlichen Trennung nicht entstehen. Das Kuratorium des Wiener Museums war im Jahr 1893 zusammengetreten und steht unter der Leitung des Bauraths Stiaßny. Es hat sich als vornehmstes Ziel „die Schaffung eines Museums gesetzt, in welchem die historischen Denkmäler, sowie die

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