Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Antisemitisches Jahrbuch für 1899 [Rezension]
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 382 (sequence 2)
- Language
- German
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362 deutschen Reich. sie antisemitisch. So wie sie das Deutschthum für sich gepachtet haben, so halten sie sich für die einzigen und würdigsten Träger des Patriotismus; wer und was gegen die Antisemiten auftritt, — meinen sie — ist auch gegen das Deutfchthum und gegen das Vaterland. Diese Meinung muß sich mit Naturnothwendigkeit in dem Gehirne desjenigen entwickeln, der nach dem Krollmann'schen und seiner Gesinnungsgenossen Rezepte Geschichte zu schreiben sich und andern einredet. Denn diesemixtum compositum besteht auS: 1. dem Verfasser — einem Antisemiten, 2. den Quellen — antisemitischen Schriften, 3. der Methode — der der Antisemiten, 4. der Darstellung — dem Wortschätze der Antisemiten, 5. den Lesern — Antisemiten. Man sieht, heterogene Elemente sind hierbei nicht gebraucht, sondern alles bleibt in der Art. Aber heißt das Geschichte schreiben? Sehen wir uns das Quellenmaterial an, das der Verfasser benutzt hat, und von dem er anscheinend recht bescheiden sagt, es sei zusammmengestellt „soweit es dem Nichtfachmanne im allgemeinen zugänglich war". Damit will er offenbar dem Vorwurf begegnen, daß er in überwiegender Menge antisemitische Schriften angeführt und benutzt und in ihrem Sinne weiter gearbeitet hat. Dafür erntet er, wie das nicht anders zu erwarten ist, das Lob der „Staatsbürger- Zeitung", die erklärt, der Arbeit liege „ein umfassendes Quellenstudium zu Grunde", sie übersieht oder verschweigt nur, daß sowohl die Quellen als auch das Studium von antisemitischem Geiste durchtränkt sind. Fast wehmüthig bedauert der Verfasser (Anmerk. 30), daß Treitschke in seinem ersten Bande der „Deutschen Geschichte im XIX. Jahrhundert" antisemitische Regungen weniger wohlwollend bespreche als im zweiten Bande. Mit den andern Gewährsmännern freilich kann er mehr zufrieden sein; Voltaire ist dem Verfasser ein vollgültiger Zeuge; der müsse die Juden kennen, meint er, „sein schmutziger Handel mit Veite! Ephraim und Abraham Hirsch weist auf vertraute Beziehungen zum Judenthum hin". Abgesehen davon, daß das Judenthum als solches auch nicht im entferntesten in Betracht kommt, daß der Verfasser mit dem Worte Judenthum einen falschen Begriff verbindet, müßte doch jeder Sehende und Wissende gerade wegen Voltaire's Beziehungen zu einzelnen Juden schwerwiegende Bedenken haben, ihn als Zeugen gegen die Juden anzurufen. Doch wir wollen nicht mißgünstig sein, sondern den Antisemiten den Charakter Voltaire's gern überlassen, wenn sie Freude an ihm empfinden. Mit Behagen verweist der Verfasser weiter auf die judenfeindlichen Aeußerungen Fichte's; hier hilft ihm der Name des Philosophen.