Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Joseph Wolf
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 350 (sequence 10)
- Language
- German
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350 Im oeutschen Reich. Gelübde und Eidesleistung, gebietet Wohlthätigkeit und Milde; das Judenthurn macht Fleiß und Thätigkeit zur höchsten Pflicht. — Alle diese Abhandlungen sind mit einer erstaunlichen Fülle von einfachen, aber treffenden Beweisstellen versehen und zeugen von der ausgedehnten Kenntniß der biblischen und rabbinischen Quellen. Die Gegner wurden mit solchem Takte, mit ruhiger, leidenschaftsloser Klarheit und scharfem Witze geschlagen, daß sie bald verstummten. Das genannte Werk, welches in einem Jahre zwei Auflagen erforderte, fand eine sehr freundliche Aufnahme. Ein Neudruck deffelben würde sehr lohnend sein. Es bleibt nur noch übrig, auf Wolf's äußere Verhältniffe kurz einzugehen. Sein Gehalt als Lehrer, Prediger, Gemeindesekretär (Volksname: Wolf Schreiber), Dolmetscher betrug gegen 300 Thaler. Es konnte daher nicht fehlen, daß um Wolf alles ärmlich erschien, und er sich in mehr als bescheidenen Verhältnissen durch's Leben schleppen mußte. Krankheiten hörten in der Familie nicht auf. Er ertrug alles Ungemach mit stiller Ergebung in sein Schicksal und philosophischer Ruhe. Die kindliche Liebe seines ältesten Sohnes verschönte ihm noch sein Alter.*) — Im Winter 1825/26 erkrankte er ernstlich an Leberverhärtung. Am Morgen des 16. März 1826 schlug für ihn die Scheidestunde aus diesem Leben. Ruhig und still, wie er gelebt, ging er in das Jenseits ein, dessen Seligkeit er so oft den Kleinen und Großen verkündet hatte. „Des Menschen Leben ist seine That." Caffel. L. Horwitz. ch Ein Enkel Wolf's ist der in Berlin lebende Musikdirektor William Wolf.