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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 344

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Joseph Wolf
Date
1899-06-01
Page
344 (sequence 4)
Language
German
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344 Im deutschen Reich. besser, ihn auf eine größere Lehranstalt zu bringen, und da er in Berlin einen einflußreichen Onkel, Jakob Benscher, hatte, wurde er diesem übergeben, der ihm auch eine Freistelle im dortigen Beth-Hamidrasch — Lehrhause — verschaffte. Das geschah im Jahre 1775. Damals lebten in Berlin Mendelssohn, Dr. Gumpertz, Bendavid, Dr. Herz und Andere. Der Einfluß dieser Männer erstreckte sich auch auf die Schüler der Rabbinerschulen; in „der Stadt der Aufklärung" überzeugten sie sich bald, daß man sehr viel weltliche Bildung besitzen kann, ohne damit sein Judenthum aufzugeben. Mendelssohn's und Wessely's Beispiel zeigten Wolf den Weg, den er für sein künftiges Leben einschlug. Bei seinen Lehrern erwarb sich Wolf durch seine Bescheidenheit, sein stilles, sinniges Wesen und anhaltenden Fleiß Achtung und Liebe. Seine Mitschüler gingen gern mit ihm um, gaben dem Fremden Rath und förderten sich gegenseitig in allen Zweigen des Unterrichtes. Deutsche Bücher wurden fleißig gelesen, der Inhalt besprochen und von allen Seiten beleuchtet. Einen bedeutenden Einfluß auf Wolf's geistige Entwickelung übte Wessely aus; ob er mit seinem Landsmanne Mendelssohn in persönliche Berührung kam, läßt sich weder aus zeitgenössischen Mittheilungen noch durch Ueberlieferungen in der Familie beweisen. Nur 4 bis 5 Jahre konnte W. in Berlin bleiben. Die Hände, welche sich ihm entgegengestreckt hatten, wurden allmählich zurückgezogen und die Freitische gekündigt, denn immer neue Studierende nahmen Theilnahme .und Mitleid in Anspruch. - Jedoch fühlte Wolf die Kraft in sich, selbständig zu werden; hierzu bot ihm die Annahme einer Lehrerstelle zu Freienwalde a. O. willkommene Gelegenheit. In dem neuen Wirkungskreise sorgte er nicht nur für Erziehung und Bildung der ihm anvertrauten Jugend; jede freie Stunde verwendete er zur fleißigen Lektüre guter deutscher und französischer Bücher und zu ernsten Studien. Zwei Schriften fesselten besonders sein Interesse: „Der Pentateuch mit Mendelssohn's Uebersetzung, Einleitung und Kommentar" und die Schrift Dohtn's: „Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden". Erstgenannte Schrift wurde für Wolf eine „Quelle der Erkenntniß und des reinsten Vergnügens"; hierin erkannte er zum ersten Male den Geist beider Sprachen. — Da

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