Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 335

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Ein verkanntes Proletariat
Date
1899-06-01
Page
335 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316657-2324262--05461-2324356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ltn verkanntes Proletariat. SöS steigt ihr Wochenverdienst nie IS bis 18 8h. Die Arbeit dauert nur sechs Monate; während der übrigen Zeit müssen sie also ander« weitige Beschäftigung suchen. Im Jahre 1895 brach bei den jüdischen Mützenarbeitern «in Streik au«, wahrscheinlich als Antwort auf den Beschluß der Unternehmer, von jedem Arbeiter etnZeugniß seines früheren Arbeitgebers zu verlangen, keine Arbeiter mehr einzustellen, die einmal an einem Streik Theil genommen hätten, und die. Arbeiter selbst die Wolle für die Mützen bezahlen zu lassen. Die Arbeiter forderten nur statt deü bisher pro Mütze bezahlten Preises von 4—6 d. einen Einheitspreis von 6 ä. Der Streik änderte nicht viel an der Sachlage; es war „viel Lärm um Nichts". In der Pelzwaarenkonfektion war noch vor 20 Jahren das „Sweating" unbekannt. Jetzt werden zu dieser Arbeit im allgemeinen Frauen verwendet, deren Zahl etwa 2000 beträgt, wovon 1500'Jüdinnen sind. Ich habe eine Werkstatt besucht. (Der Leiter hatte es mir unter der Bedingung gestattet, daß ich keinerlei Fragen an die Arbeiter richte.) Diese Werkstatt befand sich unter dem Dach; von den dort arbeitenden 40 Frauen waren 37 Jüdinnen und 3 Christinnen. Auf meine Frage: „Warum beschäftigen Sic so viel jüdische Mädchen?" erwiderte mir der Unternehmer, daß zu diesem Handwerk besondere Intelligenz gehöre. Der Gesundheitszustand war ziemlich gut, freilich muß ich bemerken, daß es eine der größten Werkstätten in East- End war. In kleineren Werkstätten sind die sanitären Verhältnisse nichts weniger als befriedigend. Gearbeitet wird von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr Abends; doch giebt es in der Hauptsaison viele Ueberstunden. Die Preise sind in den letzten zehn Jahren stark heruntergegangen. Der Lohn wird stückweise gezahlt; für eine Arbeit, die früher mit 10 sh. gelohnt wurde, giebt es jetzt nicht mehr als 4 8h?) Das Maximum des Wochenverdienstes beläuft sich auf 25, im Durchschnitt jedoch nur auf 12 bis 15 sh. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen verdienen die Woche nur 4 bis 5 sb. Ueber die Führung der letzteren habe ich überall, wohin ich mich wandte, nur Lobendes gehört. Nur in einem Falle hatte ein Meister eine Arbeiterin entlassen müssen. 5) Fiftli Report, 6. 114.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.