Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 283 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. SSS blutbefleckte Kleider gefunden wurden. Das „Deutsche VokSblatt" wurde konfisziert, weil eS daS Gericht beschuldigt«, daß eS den wahnsinnigen Janda fälschlich deS Mordes beschuldigte, um den jüdischen Mörder Hülsner zu befreien. Wegen dieser Konfiskation brachte der antisemitische Abgeordnete Schneider im niederösterreichischen Landtag eine Interpellation ein, die der Landmarschall Baron GudenuS als nicht rechtzeitig angemeldet zurückwies. Schneider, der selbst wie ein Irrsinniger tobte, warf dem österreichischen Justizminister vor,. von Juden bestochen zu sein und rief einen solchen Skandal hervor, daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Da Hülsners Alibi bewiesen ist, hat sich Schneider ein anderes Opfer erkoren. In Goltsch- I e n i k a u, wo er und seine Genossen das Gerücht ausgesprengt hatten, daß ein dortiger Schächter an dem Mädchenmorde zu Polna betheiligt sei, machte sich eine tiefgehende Bewegung gegen die Juden bemerkbar, die nur deshalb ungekränkt blieben, weil die Behörden rechtzeitig umfassende Sicherheitsmaßnahmen getrosten hatten. Der jüdische Schächter Moritz Kurzweil erhebt nun gegen den Abg. Schneider und den Redakteur des „Deutschen Volksblatts", Vergani, die Verleumdungsklage. Ter Bürgermeister von Goltsch-Jenikau hat ihm eine glaubwürdige Legitimation ertheilt, indem er amtlich bestätigt, daß sich in Goltsch-Jenikau nur ein einziger Schächter befindet und dieser mit Moriz Kurzweil identisch ist. Es ist festgestellt, daß Kurzweil zur Zeit des Mordes Goltsch-Jenikau nicht verlassen hat, da er damals sein Amt als Vorbeter versah. Die Bezirkshauptmannschaft von Czaslau hat wegen Aufrechterhaltung der Ordnung in Goltsch-Jenikau das Erforderliche veranlaßt. — In N a ch o d wird zwar in fämmtlichen Fabriken wieder gearbeitet; die Erbitterung gegen die Juden ist aber noch nicht geschwunden. Wegen Verdachts der Theilnahme an den Plünderungen wurden bisher 109 Personen, von diesen 84 dem Kreisgerichte eingeliefert. Bei 109 Personen sind Haussuchungen vorgenommen und bei 76 von ihnen Gegenstände gefunden worden, welche aus den Plünderungen herrühren. — Auf die antisemitische Bewegung in Wien dürfte die neuerdings inscenierte „Los von Rom- Bewegung" einen großen Einfluß ausüben. Der antisemitische Pfarrer Deckert, der mit Herrn Sedlatzek in Berlin in lebhafter Korrespondenz stand, veröffentlichte kürzlich eine Flugschrift über Luther's angeblichen Selbstmord, die das Gericht beschlagnahmte. Deckert hielt auch über die „Los von Rom-Bewegung" in der Pfarrkirche zu Wien Weinhaus Reden mit scharfen Angriffen gegen den Protestantismus. Der Pfarrer der reformierten evangelischen Kirche in Wien, Superintendent Schack erhob deshalb amtliche Beschwerde bei der Statthalterei wegen Beleidigung einer