Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- Die Antisemiten unter sich
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 257 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Antisemiten unter sich. 257 zueignen, wollen wir einen häuslichen Streit wiedergeben, der sich erhob, als den wegen Veröffentlichung der Pückler'schen Reden Beschuldigten die Anklagen wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten zugestellt wurden. Nachdem die „Staatsbürger- Zeitung" gemeldet hatte, daß der verantwortliche Redakteur dieses Blattes, Johannes Wilberg, und der Herausgeber Wilhelm Bruhn angeklagt seien, fügte sie hinzu: „Außerdem ist auch noch die gleiche Anklage erhoben worden gegen den Verleger des „Deutschen General-Anzeigers" Karl Sedlatzek und einen als verantwortlicher Redakteur dieses Blattes figurierenden Paul Schürkämper. Wir können bei dieser Gelegenheit nur unser Befremden über die aus der Anklageschrift sich ergebende Thatsache ausdrücken, daß als Redakteur des „Deutschen General- Anzeigers" ein mehrfach wegen ehrenrühriger Handlungenbestrafter Mensch auftritt. Das ist denn doch eine Verletzung des journalistischen Anstandes und ein Verstoß gegen die journalistische Standesehre, die wir nicht ungerügt lassen können. Wenn es Herrn Sedlatzek nicht geniert, mit einem „Redakteur" zusammen auf der Anklagebank zu sitzen, dessen Vorleben eine Reihe von dunklen Punkten aufweist, so ist das für Andere jedenfalls sehr peinlich. Eine solche Handlungsweise bekundet eine so hohe Rücksichtslosigkeit, daß wir dagegen entschieden Verwahrung einlegen müssen. Es liegt außerdem darin eine Schädigung der ganzen Bewegung, die durch ein solches Gebühren in empörender Weise bloßgestellt wird." Am Tage darauf sah sich die „Staatsbürger-Zeitung" veranlaßt, auf Grund einer Mittheilung des Herrn Sedlatzek zu berichten, daß der von Sedlatzek als Redakteur angestellte Herr Schürkämper ihn getäuscht habe, indem er ihm bei seiner Vorstellung die erlittenen Vorstrafen verschwieg. Erst bei Aushändigung der Anklageschrift habe er, Sedlatzek, Kenntniß von dem Vorleben Schürkämper's erhalten und ihn sofort zur Rede gestellt. Selbstverständlich zeichne Schürkämper nicht mehr als Redakteur des „Deutschen General- Anzeigers". Schürkämper habe übrigens niemals der antisemitischen Partei angehört (!) Daß Herr Sedlatzek einen anderen als einen seiner Parteigenossen zum verantwortlichen Redakteur seines Blattes gemacht haben sollte, konnte freilich Niemand annehmen.