Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- Die Antisemiten unter sich
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 255 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Antisemiten unter sich. 2d5 Behauptung von der Solidarität aller Juden in Abrede stellte und sich an einem „häuslichen Streit" ergötzte, der „entsprechend dem jüdischen Charakter" in letzter Zeit durch die Begründung der zionistischen Kolonialbank „besonders giftig geworden" sein sollte. Die Judenpreffe wiederhole immer einmüthig, daß die von den Antisemiten verfolgten Juden die edelsten und uneigennützigsten Staatsbürger seien, aber wenn die Juden unter sich zu sein glaubten, führten sie eine ganz andere Sprache. Die „Staatsbürger-Zeitung" suchte diese Behauptungen durch Wiedergabe verschiedener Kraststellen aus einem „Die Landsknechte" überschriebenen Artikel des Wiener Blattes „Die Welt" zu begründen, das unseres Wiffens nur als das Sprachrohr Dr. Herzl's gilt und für dessen Aeußerungen deshalb nicht bist, gesammten Zionisten, geschweige denn alle Juden verantwortlich gemacht werden können. Immerhin hielt es-ein bekanntes Antisemitenblatt für angezeigt, seinen Lesern „einige Pröbchen dieser jüdischen Offenherzigkeiten" zu geben und dabei mit höhnischer Befriedigung zu bemerken: „Wir haben dem nichts hinzuzufügen, betonen nur noch einmal, daß sich all' diese Liebenswürdigkeiten nicht etwa gegen Antisemiten richten, sondern gegen die Blüthe jüdischer Geldmacht und jüdischer „Intelligenz". Nun, die Herren müffen ihre eigenen Stammesgenoffen ja kennen." Daß die deutsche Antisemitenpreffe dasjenige, was deutsche Juden unter sich verhandeln, in österreichischen Zionistenblättcrn zu erkunden sucht, zeigt nur, wie schwer cs ihr wird, in Deutschland etwas zu finden, was ihre judenfeindlichen Zwecke fördern könnte. Uns interessieren die „Liebenswürdigkeiten" des Wiener Blattes, für welche deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens gewiß nicht verantwortlich zu machen sind, nur in sehr geringem Maße. Aber die von den Antisemiten an diesen jüdischen „Offenherzigkeiten" bekundete hämische Freude giebt uns Veranlassung, zu dem Bilde „Die Juden unter sich" ein Pendant „Die Antisemiten unter sich" zu liefern, das wahrlich wirkungsvoller sein dürfte. Zwischen den offiziellen Antisemiten und denjenigen Politikern, die den Antisemitismus nur als Nebenerwerb betreiben, hat sich seit der letzten Berliner Neichstagsersatzwahl eine Zeitungspolemik entsponnen, bei der die Streitenden einander Dinge sagen, die das Gegentheil von Liebenswürdigkeiten bedeuten. Aber