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Im deutschen Reich · 1899-04-01 · Heft 4 (April 1899) · p. 236

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 4 (April 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-04-01
Page
236 (sequence 13)
Language
German
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236 Im deutschen Reich. durch einen merkwürdigen Ladenmiether geschädigte jüdische Hausbesitzer R. zur Aufnahme einer l1/» Spalten füllenden Berichtigung zwang. Der Vorsitzende berichtete, daß ein VereinSmitglied den Vorstand darauf aufmerksam gemacht habe, daß die jüdischen Leiter des Budapester Operettentheaters in dem Stücke „Die letzte Ehre" jüdische Trauergebräuche öffentlich verspotten, ihre Vorstellungen beständig in antisemitischen Blättern ankündigen, trotzdem aber durch zahlreichen Besuch von Juden unterstützt würden. Am Schluffe der Mittheilungen streifte der Redner die neuesten Vorgänge in Frankreich, welche einen glücklichen Abschluß der Affaire Dreyfus.erhoffen lassen. Die deutschen Juden hätten dieser Affaire gegenüber sich einer großen Reserve befleißigen müssen, aber doch jetzt allen Grund, sich zu freuen, daß auch in diesem Falle den antisemitischen Lügen schließlich der Boden entzogen wurde. Wenn auch in Deutschland ein ähnliches Verhalten wie das der französischen Generalstäbler unmöglich sei, hätten doch die deutschen Juden alle Veranlassung, fest zusammenzustehen, bis auf allen Gebieten der guten Sache der Sieg zu Theil werde. (Beifall.) — Nachdem die von der letzten Generalversammlung erwählten Revisoren, Herren Louis Wiener und Alexander Lomnitz die Nichtigkeit der Jahresrechnung bestätigt hatten, wurde die Decharge einstimmig ertheilt. — Nach Eröffnung der freien Aussprache berichtete Herr Dr. Wygodzynski über antisemitische Ungezogenheiten, welche sich einzelne Dienstmädchen in dem Vermiethungs- Bureau in der Jägerstraße gestatteten. Sodann erklärte Herr Direktor Wilhelm Goldstein, daß er dasjenige Vereinsmitglied sei, welches seiner Empörung über das Treiben der Budapester UnternehmerHerrenfeld und ihrer jüdischenTheaterbesucherAusdruck gegebenhabe und entschiedenes Vorgehen gegen dieses Treiben wünsche. Der Vorsitzende entgegnete, daß das einzig wirksame Mittel dagegen Selbsthilfe sei und daß, wenn in diesen Vorstellungen Dinge, die den Juden heilig seien, herabgezogen würden, dieses Treiben aufhören würde, wenn kein Jude mehr solche Vorstellungen besuche. Eine Aeußerung des Herrn Louis Wiener über Inserate eines angeblich jüdischen Bankhauses in der „Staatsbürger-Ztg." wurde auf privatem Wege richtig gestellt; eine weitere Aeußerung desselben Herrn über den neuerlichen Plakat-Unfug Neumann-Fernthal's veranlaßte das Vorstandsmitglied Herrn Rechtsanwalt Dr. L ö v i n s o n zu der Erklärung, daß die Sache inzwischen dem Amtsanwalt übergeben worden sei. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.

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