Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 4 (April 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-04-01
- Page
- 218 (sequence 3)
- Language
- German
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218 Im brutschen Reich. „Deutschen General-Anzeigers", di« mich zu diesem Schreiben veranlassen. „Da ich bestimmt annehme, daß n i ch t Sie diese Karte geschrieben haben, sondern Ihre Frau hinter Ihrem Rücken, so übersende ich Ihnen dieselbe zurKenntnißnahme und gebührenden „Belehrung" Ihrer Frau. Vielleicht interessiert es Sie, zu wissen, was ein guter Bekannter nach seiner eigenen Aussprache im gleichen Falle that. Er verprügelte nämlich seine saubere jüdisch gesinnte Ehehälfte, „daß ihr die Schwarte knackte". ES hat geholfen!" — Ich, der ich in der schönsten Harmonie mit meiner lieben Frau lebe, soll sie also „hauen, daß ihr die Schwarte knackt l" Wenn die deutsch-nationale Reform, wie sie der „Deutsche General- Anzeige^ so selbstbewußt ankündigt, in solchen Rezepten besteht, dann bedarf es wohl keines weiteren Kommentars." X Breslau, 1. April. Ein hiesiges Mitglied des Central- Vereins theilte kürzlich der Betriebsdirektion der Kleinbahn Breslau- Trebnitz-Prausnitz mit, daß ein Schaffner mit folgenden Worten abgerufen habe: „Christen links» Juden rechts!" — Darauf ging dem betreffenden Herrn folgende Antwort zu: „In Erledigung Ihres Schreibens vom 25. v. M. danke» wir Ihne» zunächst für Ihre Mittheilung bezüglich der llngehvrigkeir unseres Schaffners M.. und theilen Ihnen gleichzeitig mit, das; lvir denselben für die Ungcbührlichkeit i» eine Ordnungsstrafe genommen haben. Sie können davon überzeugt sein, das; wir derartige llebelstände. die uns n u r j it iv e n i g bekannt >v e r d e n, strengstens rügen iverden. Hochachtungsvoll .Uleinbahn Breslau-Trebnib-Prausnig. Die Betriebsdirektion. H Liegnitz, 2. April. Im 77. Lebensjahre ist hier am 19. v. Mts. ein hochgeachtetes Mitglied des Central-Vereins, der Ehrenbürger unserer Stadt, Stadtrath Adolf Prager, verstorben. Thorn, 16. April. Die „Thorner Presse" berichtete am 13. April: „Gestern Mittag erhängte sich in der Wilhelmskasern« am Geländer der Bodentreppe der Musketier Baden von der 5. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 21. B. ist Jude und stammt aus Danzig. Die Beweggründe zu der That sind noch nicht klar. B. hatte eine Strafe von drei Tagen Mittelarrest erhalten, und man glaubt, daß er nur einen Erhängungsversuch hat simulieren wollen, um von der Strafe freizukommen, indem er rechnete, daß ihm dann Gnade für Recht würde. Darauf deutet hin, daß er auf der Treppe in sitzender Stellung aufgefunden wurde.