Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 175 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316654--05151-2323907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vereinsnachrichten. 175 Reimer, Rektor Dr. Adler, Caspar Hartmann und LouiS Wiener durch Akklamation die Wiederwahl der i'ämmtlichen nach § 18 der Satzungen 'ausgeschiedenen acht Herren Vorstandsmitglieder erfolgte. Zu Rechnungsrevisoren wurden die Herren Alexander Lomnitz und Louis Wiener erwählt, welche die Wahl annahmen. Nach Eröffnung der Diskussion wurde in dieser zunächst die Schächtfrage erörtert, wobei Herr Dr. Hildesheimer Gelegenheit nahm, die möglichste Verbreitung einer bei I. C. Hinrichs in Leipzig erschienenen, von dem Pfarrer Weichmann in Sternberg verfaßten Schrift über das Schächtverfahren auf's Wärmste zu empfehlen. Nachdem Herr Redakteur Klausner darauf hingewiesen hatte, daß die antisemitischen Versuche, Schächteinschränkungen durchzusetzen, überall mißlungen seien, wo die Interessenten rechtzeitig an die zuständige Behörde appelliert-hätten, drückte er seine Befriedigung darüber aus, daß sich nach den Aeußerungen des Herrn Berichterstatters.annehmen lasse, daß der Centralvereins-Vorstand in Bezug auf die Frage der jüdischen Lehrkräfte jetzt denjenigen Anschauungen zuneige/ welche er selbst bereits vor drei Jahren ziemlich vereinzelt vertreten habe. Der Redner präcisierte seinen Standpunkt wiederum dahin, daß das Mißgeschick der jüdischen Lehrkräfte nicht auf den Unterrichtsminister, sondern auf die Haltung der städtischen Behörden zurückzuführen sei. Darauf entgegnete Herr Rechtsanwalt Dr. Fuchs, daß der Standpunkt des Vereinsvorstandes eben dadurch stch von dem des Herrn Klausner unterscheide, daß dieser den städtischen Behörden vorwerfe, sich bcu ministeriellen Anordnungen in der Schulfrage nicht akkommodiert zu haben, während der Vorstand gewünscht hätte, daß die städtischen Behörden den unberechtigten Anordnungen gegenüber ihren Standpunkt energischer gewahrt hätten. Wenn Herr Klausner wieder eine Lanze für den Unterrichtsminister eingelegt habe, so wolle er nicht verhehlen, daß ihn die Aeußerungen des Ministers im Parlament über die Empfindungen christlicher Eltern jüdischen Ordinariaten gegenüberauf das Schmerzlichste berührt hätten, durch diese Äeußerung habe der Minister den sittlichen Werth der jüdischen Lehrer herabgesetzt. Ebenso wäre es wohl richtiger gewesen, wenn er die christlichen Schulvorsteher, statt ihre Unduldsamkeit gewähren zu lassen, auf die Verpflichtung hingewiesen hätte, die ihnen anverrrauten Kinder zu duldsameren Gesinnungen zu erziehen und antisemitischen Regungen der Eltern nicht Vorschub zu leisten. Nachdem Herr A. Cohn den Wunsch vorgetragen hatte, das Veremsorgan auch den christlichen Mitbürgern, insbesondere der academischen