Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-03-01 · Heft 3 (März 1899) · p. 171

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 3 (März 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-03-01
Page
171 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316654--05147-2323903
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

veremsnachrichlen. 171 lichen bürgerlichen Gesellschaft zu den Juden mit kräftigen Zügen geschildert hatte, beklagte er, daß wir in den gegebenen Verhältnissen nicht immer, statt nur-Toleranz zu verlangen, lieber das echte Selbstgefühl und jene würdevolle Haltung zeigen, welche von dem Bewußtsein zeugen, mit Gleichen zu verkehren. Der Redner wies aus geschichtlichen Beispielen nach, wie solche „Ghettospuren" sich nach und nach verflüchtigen können, aber dann auch aus Begebenheiten der neuesten Zeit daß diese Spuren doch noch keineswegs bei uns ganz geschwunden sind. Vollständige Besserung könne nur eintreten, wenn die Gedanken der Selbsthilfe und der Regeneration des Judenthums in ethischer Richtung immer weiter in Deutschland festen Fuß fasten würden. Für diese Bestrebungen habe die Breslauer „Viadrina" eine kräftige studentische Formel gefunden, der Central-Verein aber das große Verdienst errungen, den Gedanken der Selbstvertheidigung, der rechten Manneswürde in weite bürgerliche Kreise hineingetragen zu haben. Dies sei der rechte Weg, die „Ghettospuren" zu vernichten. Vor allem sei nöthig, daß die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sich nicht zu einer politischen Partei, wohl aber zu einer „sozialen Gemeinschaft" zusammenschließen, die Freiheit und eine wirkliche gesellschaftliche Gleichstellung anstrebt. Der Hochmuth der Judengegner wird in dem Maße schwinden, in welchem unser Selbstgefühl wieder zunimmt! — Nachdem der langanhaltende Beifall, der diesen zündenden Worten folgte, verrauscht war, sprach Herr Redakteur W o h l b e r g im Namen der Versammlung dem Vortragenden noch besonderen Dank für die sreimüthige Kritik aus, die in seinen treffenden Aussührungen gelegen. Als Delegierter des Vorstandes zollte Herr Bankier Alfred Löwenberg dem Vortragenden herzliche Anerkennung und knüpfte daran die Bemerkung, daß das Selbstgefühl ver Juden auch dadurch gehoben werden müsse, daß die Jugend nicht nur gediegenen Religionsunterricht, sondern auch eingehende Belehrung über das erhalte, was das Judenthum und die Juden bisher geleistet haben. Am Schluffe der weiteren sehr anregenden Debatte, an welcher sich die Herren stud. Lewin , Redakteur Wohlberg, General - Sekretär Alphonse Levy, Tr. H i r s ch f e l d, Caspar Hart mann, Goldman» und Diamant detheiligten, bemerkte der Vorsitzende, daß er als daS erfreulichste Ergebniß dieser Aussprache die allgemeine Ueberzeugung betrachte, daß der Central-Verein einen wirklichen Einigungspunkt für die auf die Hebung des JudenthumS gerichteten Bestrebungen darstelle. Die ordentliche General-Versammlung deS Central- Vereinö wurde am 27. Februar d. I. in den Bismarck-Sälen, 12'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.