Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- Ein verkanntes Proletariat
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 140 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316654-2323797--05090-2323872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 Im deutschen Reick. zusammen von 6 bis 7 Uhr Morgens bis Mitternacht, manchmal auch — namentlich Donnerstags — von 6 Uhr Morgens bis 2 oder 3 Uhr Nachts. Ihr Lohn schwankt zwischen 2 und 8 Gulden die Woche. Im Jahre 1894 hat der Niederländische Diamantenarbeiter- Verband (Allgemeene Nederlandsche Diamantbewerkersbond) große Anstrengungen gemacht, diese Unglücklichen zu organisieren, um alsdann Minimallöhne festsetzen, die Arbeitszeit regeln und die Hausarbeit unterdrücken zu können. Da ein eigens zu diesem Zwecke gebildetes Agitationskomitee keinen Erfolg erzielen konnte, so erhielt im Jahre 1895 die Sektion der Diamantenschneider und -Schneiderinnen, die bereits dem A. N. D. B. angehörten, den Auftrag, unter den Nosenschneiderinnen einen besonderen Verband zu gründen; kaum waren ihrer dreißig organisiert, so schuf man aus ihnen eine Sektion des Hauptverbandes. Ihre Zahl hat sich bis heute erst ans 65 erhöht. Diese Arbeiterinnen sind in den großen Werkstätten beschäftigt; ihre Arbeilszeit ist nicht übermäßig lang und ihr Lohn verhältnißmäßig gut. „Es hat den Anschein," sagte mir Herr Nuijper, „als ob die Arbeiterinnen aus diesem Gebiete der Hausindustrie moralisch so weit heruntergekommen sind, daß ihnen aller Muth und jedes Vertrauen zur Organisation, dem einzigen Mittel zur Aufbesserung ihrer Lage, fehlt." Wie bereits erwähnt, hat das Wiederaufleben der Diamanten- Jndustrie nach dem französisch-deutschen Krieg seinen Anfang genommen und bis zu den Jahren 1686 und 1887 war auch die Lage der Arbeiter die denkbar günstigste. Nach gewissen Coupö der ,,l>8 k^sr-, Diamond ^liningOom^an)''' aber, auf deren Einzelheiten ich nicht eingehen will, nach dem Verlust auf der Chicagoer Ausstellung und der Geldkrise in den Vereinigten Staaten, vollzog sich eine allgemeine Umwälzung in der Amsterdamer Diamanten- Juduslrie, in deren Folge die Lage der Arbeiter sehr unsicher wurde. Viele blieben überhaupt ohne Beschäftigung, und diejenigen, die Arbeit fanden, verdienten and) nur 6 bis 8 Gulden die Woche. Jetzt trat eine große Bewegung unter den Arbeitern ein, und am 7. November 1894 brach ein allgemeiner Streik in Amsterdam aus, an dem sich 12 000 Arbeiter betheiligten.') Zwei Arbeiter, H. Polak, augenblicklich Präsident des „Verbandes", und Nuijper, traten an die Spitze; ihnen gelang es naä) unge-