Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- Ein verkanntes Proletariat
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 139 (sequence 7)
- Language
- German
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Litt verkanntes Proletariat. 139 Danach sind also 60pCt. aller Diamantenarbeiter Juden. Die Lage der Diamantarbeiter - ist, nach ihrem Lohn zu urthcilen, im allgemeinen ziemlich günstig. Freilich muß man von dem Lohn die Miethe für die Schleifsteine, den Preis der Werkzeuge, sowie den Lohn für die Einsetzer in Abzug bringen. Nur die Brillanten- und Rosenschneider, die zum Theil unter dem „Schwitzsystem" arbeiten, verdienen kaum ihr tägliches Brod. Bei den Diamantenschneidern herrscht das .,Sweating“ nur theilweise, denn eine ziemlich beträchlliche Anzahl dieser Arbeiter ist in den Werkstätten beschäftigt, wo ihre Lage nicht schlecht ist. Traurig ist es dagegen mit denen bestellt, die zu Hause arbeite». Ihr Lohn ist bedeutend niedriger, da sie die Woche nur 10 bis 25, im Durchschnitt 15 Gulden verdienen können. Auch ist die lägliche Arbeitszeit sehr unregelmäßig; manchmal beträgt sie ]>-; bis 18 Stunden. Das eigentliche „Schwitzsystem" herrscht jedoch in der Rosenichnciderei. In diesem Arbeitszweige kannte man vor 20 Jahren nur männliche Arbeiter. Dies änderte sich aber unter dem Einfluß des Sinkens der Löhne. Die Billigkeit der Arbeitskräfte ermöglichte es den Rosenschneidern, die zu Hause arbeiteten, Hilfsarbeiter anzunehmen, meist junge Mädchen, die in einigen Atonalen Arbeiterinnen wurden, trotzdem aber im besten Falle nur 1 bis ■ > Gulden die Woche verdienten. Diese an sehr niedrige Löhne gewöhnten Arbeiterinnen suchten bald die Arbeit direkt vom Fabrikanten zu erhalten und begnügten sich mit viel geringeren Preisen, als vordem ihre Lehrherren erhalten hatten. Die Fabrikanten waren natürlich damit einverftaaden, und so gingen die Arbeiterinnen alsbald selbst dazu über, Lehrlinge anzunehmen. Der Lohn siel nun ununterbrochen, so daß nach Verlauf einiger Jahre die Arbeiter, da sie der Konkurrenz der Frauen nicht mehr Stand halten konnten, das Handwerk ganz verließen oder Vrillantenichncider wurden. Augenblicklich giebt es nach Ruijpcr's Mitteilungen im ganzen noch 2 männliche Rosenschneider. Als Arbeitsräume dienen Mansarden und Keller, oft auch die Zimmer, in denen die ganze Familie (oder die Eltern) der Arbeiterinnen wohnen. Arbeitslosigkeit tritt sehr häufig ein. Die Dauer der Arbeit ist je nach der Jahreszeit verschieden. Gewöhnlich arbeiten die Schneiderinnen allein oder mit 1—10 andern