Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- Ein verkanntes Proletariat
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 134 (sequence 2)
- Language
- German
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134 Im deutsche» Reich. Über seine Juden zu beklagen. Vom ersten Augenblick an warfen sie sich mit der ihnen eigenen Energie auf Wissenschaft, Industrie und Handel. In hervorragendem Maße betheiligten sie sich an der Entwickelung der holländischen Kolonien und steuerten überhaupt mit allen Kräften zur Wohlfahrt ihres Wirthsvolkes bei. Allein trotz aller Freiheiten, trotzdem sie schon seit dem 16. Jahrhundert im thatsächlichen Besitz des Bürgerrechtes waren, bildeten sie doch noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine abgesonderte Bevölkerungsgruppe. Erst am 2. Dezember 1796 machte die batavische Nationalversammlung diesem Zustande ein Ende, indem sie sich einstimmig für die Emanzipation der Juden aussprach. Damals betrug die Zahl der in Holland lebenden Israeliten 50 000, also etwa den 40. Theil der Gesammtbevölkerung?) Die holländische Verfassung brauchte ihre Emanzipation nur zu wiederholen; heute befinden sich die Juden im Besitz aller Bürgerrechte, und es herrscht ein Frieden zwischen Juden und Christen, der in ganz Europa seines Gleichen sucht. Bei der Volkszählung von 1889 gab es im ganzen Lande 97324 Israeliten, von denen 54 479 in Amsterdam leben?) Der größte Theil der Amsterdamer Judenschaft wohnt in dem alten Judenviertel, das sich aus folgenden Straßen zusammensetzt: Joden Breedstraat, St. Antonie Breedstraat. Nieuwmarkt, Gelderschekade, Prins Hendrikkade und Nieuwe Herrengraclit. Hier, in einem der ältesten Stadttheile, wohnen die Juden in den alten Häusern zusammen gepfercht. Während dieses Viertel im Laufe der Woche, namentlich am Freitag Morgen, eines der schmutzigsten in ganz Amsterdam ist, zeigt es am Sonnabend ein völlig verändertes Gesicht: Die Straßen sind reinlich, die Wohnungen und Bürgersteige weisen die Spuren einer frischen Säuberung auf, die alten Häuser gewinnen ein feierliches Aussehen; ja man fühlt sich wunderbar ergriffen, wenn man diese Straßen am Sonnabend Nachmittag betritt. Oft wird hinter einem Fenster ein Greis mit einem Sammetkäppi cn auf dem Haupte sichtbar, der sich nach einer Woche harter Arbeit am Studium der alten, dicken Bände der mittelalterlichen Scholastik erbaut. Unwillkürlich 9 P e s k o v s k i>, li'in vrrliäiupiir,voller iswUjutu. iNussisM St. Pelerovvrg ls(ü. •j Statistich Jaavhot-k. Amsterdam- 1ÖÜ0 8. 34.