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Im deutschen Reich · 1899-02-01 · Heft 2 (Februar 1899) · p. 111

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 2 (Februar 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-02-01
Page
111 (sequence 3)
Language
German
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veretnsnachrichten. m des Vereins zu berichten. Sodann begründete er die Einberufung der Versammlung und widerlegte alle Bedenken gegen dieselbe mit dem Hinweis, daß eS sich nicht um lokale Interessen, sondern um daS Wohl und Wehe aller deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens handle. Der Central-Verein habe nicht nur seine Lebensfähigkeit, sondern auch sein« Berechtigung und Nothwendigkeit erwiesen. Seine Gründung entsprach einem dringenden Bedürfniß, und wenn etwas zu bedauern ist, so ist es. der -Umstand, daß der Verein nicht 1» Jahre früher entstanden ist. Der Vorsitzende führte einzelne Beispiele von den Erfolgen des Vereins an und schloß mit den Worten: Vieles ist bereits erreicht, aber mehr noch zu erstreben. — Sodann sprach der Vertreter des Vorstandes, Herr Dr. Schneider, die Genugthuung des Vorstandes über die rege Theilnahme der Liegnitzer Mitglieder an den Bestrebungen des Vereins, sowie seine persönliche Freude darüber aus, in seiner lieben Vaterstadt den Vorstand des Central-Vereins vertreten zu können. Wenn es auch erfreulich sei, daß in Liegnitz unmittelbarer Anlaß, Ausschreitungen des Antisemitismus abzuwehren, nicht vorliege, so sei deshalb die Thätigkeit des Vereins nicht überflüssig. Ebenso wichtig wie das .Abwehren sei das Vorbeugen, und dies suche der Verein zu erreichen durch Aufklärung und Belehrung in Wort und Schrift. Aufzullären seien unsere christlichen Mitbürger über das Judenthum, seine Sittenlehre und seine Geschichte, über die Nichtigkeit und Haltlosigkeit der autifemitischen Phrasen; aufzuklären seien aber auch die Juden über das Maß ihrer Pflichten und ihrer Rechte. Wohl sei es eines jeden Pflicht, unter den jetzigen Zeitverhältnissen doppelt gewissenhaft zu fein in Handel und Wandel, doppelt vorsichtig in allen Beziehungen des geselligen und geschäftlichen Verkehrs. Aber wer so seine Pflicht erfülle, der müsse auch sein Recht wahren, dürfe seine Religion nicht beschimpfen, seine Glaubensgenossen nicht zurückdrängen lassen. Die Entwicklung der antisemitischen Bewegung bis zum Entstehen des Central-Vereins habe bewiesen, daß Zurückhaltung und Leisetreterei nichts nütze, sie habe nur geschadet und die Frechheit der Gegner gesteigert. Deshalb muhte die Gesammtheit sich organisieren, um uns den gesetzlich gegebenen Wegen sich die verfassungsmäßigen Rechte zn erkämpfen und zu wahren. — Sodann sprach Herr Dr. I u l. Moses in fast einstündigem, sehr oft von rauschendem Beifall unterbrochenen Vortrage über die Ziele, Bestrebungen und bisherigen Erfolge des Central-Vereins. Er schildert« die Entwicklung der antisemitischen Bewegung von den Schriften Willmanns' und Treitschke's bis zu Ahlwardt und dem Tivoli-Programm der Konservativen, und

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