Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-01-01
Page
52 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316652--04926-2323622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 Im deutschen Reick. gewordene That und thatgewordener Geist ist, daß wir für unsere Ueberzeugung kein Opfer scheuen dürfen und stets einstehen müssen für Glauben und Vaterland. Akiba ben Jofeph'S Beispiel lehre unS, daß man ein echter Jude, und gleichzeitig ein wahrer Patriot, sowie ein Verbreiter der allumfassenden Menschenliebe sein kann. Dazu befähigte ihn die Liebe einer edlen Frau und jene Gottesliebe, die von wahrer Menschenliebe unzertrennlich ist, und zu dieser geistigen Höhe zu streben, leite die Erinnerung an Akiba ben Joseph, an einen der größten Heroen aller Zeiten, in der schweren, sturmbewegten Gegenwart alle Deutschen jüdischen Glaubens! — Mit Spannung und schließlich mit tiefer Ergriffenheit lauschte die zahlreiche Versammlung den mit trefflich gewählten Citaten aus Bibel und Talmud durchflochtenen, schwungvollen Ausführungen des begeisterten Redners, dem am Schluffe des zündenden Vortrages langanhaltender Beifall gezollt wurde. — Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz, dankte dem Vortragenden im Namen des Vorstandes und der Versammlung, indem er gleichzeitig darauf hinwies, daß die Gegenwart thatsächlich eine gewiffe Aehnlichkeit mit der Leidenszeit Akiba's darin habe, daß auch wir nicht nur vor äußern Feinden zu zittern, sondern auch mit Apostaten in unserer Mitte zu rechten haben, daß auch wir der Festigkeit bedürfen, um nicht für Ehren die Ehre zu opfern. Der Herr Vorsitzende schloß mit der Aufforderung, die Versammlung möge sich zu Ehren des Redners von ihren Plätzen erheben, was auch mit erneutem Beifall geschah. Daran schlossen sich einige geschäftliche Mittheilungen, welche das Wachsthum des Vereins, die neuerdings abgehaltenen Vereinsversammlungen, die Angelegenheit der jüdischen. Lehrkräfte, das neutrale Verhalten des Vorstands bei den jüngsten Repräsentantenwahlen, einige Vorkommnisse in dem „Leipziger Militärverein der 107 er" und dem „Margoniner Kriegerverein" betrafen u. a. m. Der Herr Vorsitzende bemerkte ferner, daß auf eine kürzlich in Berlin vorgenommene Versendung zahlreicher Aufrufe in den letzten Tagen mehr als 100 neue Beitrittserklärungen aus den angesehensten Kreisen erfolgt seien, dabei sei aber auch ein Schreiben eines hiesigen Glaubensgenoffen eingegangen, der sich durch den Empfang des Ausrufs veranlaßt fühlte, die Gründe darzulegen, weshalber dem Central-Verein fern bleibe. Da diese Gründe eigenthümlicher Weise als eine Folge ausschließlicher Lektüre antisemitischer Blätter erschienen, wurde der Wortlaut dieses Schreibens verlesen, ohne den Absender zu nennen, gegen den sich wiederholt aus der Mitte der Versammlung heftiger Unwille kundgab. Der Vorsitzende erklärte^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.