Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 51 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 51 13. Dezember 1838 eine allgemeine Versammlung bei Central-VereinS veranstaltet, in welcher Herr Dr. phiL D. Leimdörfer, Prediger am israelitischen Tempel in Ham» bürg, in einem einundeinhalbstündigen, geistvollen Vortrage das Thema „Akiba, ein tragischer HeroS", mit oratorischer Meisterschaft' behandelte. Der Redner leitete seinen Vortrag mit der Erklärung ein, daß er nicht, wie mehrfach angenommen worden sei, über „Ben Akiba" sprechen wolle, der vor etwa fünf Dezennien in der Phantasie eines deutschen Dichters entstanden sei, sondern über „Akiba ben Joseph", der vor 17 Jahrhunderten in Palästina wirk» lich gelebt, gelehrt und gelitten habe, der als Abkömmling eines Proselyten durch die Frömmigkeit seiner jüdischen Mutter und die großartige Aufopferung einer edlen, hochgebildeten Gattin aus einem unwissenden und wifsensfeindlichen niederen Hirten zu einem der er» habensten Volkslehrer emporgewachsen sei. In einer Zeit, in der ein Theil der Juden nur. den Buchstaben der heiligen Schrift, der andere Theil nur den Geist gelten lassen wollte, schuf er als bahnbrechender Theologe ein System, aus welchem. zu ersehen, daß die Religion des Judenthums geistgewordene That und thatgewordener Geist ist. Er war nicht nur ein großer theologischer Forscher, sondern auch ein bedeutender Philosoph und Ethiker, ein Gegner der neuplatonischen Schwärmerei, wie der Askese und des Pessimismus, ein Volkspädagoge" und Volksfreund. Dies machte ihn, als Kaiser Hadrian's anfängliche Milde sich in grausame Tyrannei umwandelte, zum energischen Feind der Römer, zum politischen Agitator und Anhänger Bar - Kochba's, des falschen Messias, welcher an die Spitze eines von Akiba organisierten Aufstandes trat, anfänglich die Römer in mehreren Treffen besiegte, dann aber von dem römischen Feldherrn Severus zurückgedrängt wurde und bei dem Fall der Festung Bethar zu Grunde ging. Das Verbot Hadrian's mißachtend, verbreitete der greise Akiba fort und fort die Gotteslehre, sammelte noch im Kerker Schüler um sich und starb als Märtyrer mit einer heldenmäßigen Standhaftigkeit, die dem römischen Tyrannen Rufus Bewunderung einflößte. Sein Leben galt der Ehre unserer Lehre, sein Tod gab uns die Lehre unserer Ehre. In seinen Fußstapf,:n wandelt der Central-Verein, wenn er die Ehre deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens festigen will auf der Grundlage des Rechts und unserer Religion, wenn er seine Anhänger davon überzeugt, daß die Wahrung der Treue und der Ehre weit werthvoller ist, als die Erringung äußerer Ehren, daß unsere Religion nicht willenlose Gläubigkeit, sondern gedankenschwere, geist-