Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 31 (sequence 1)
- Language
- German
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8t f eigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll!" Diese in den Lenien Schiller'S enthaltene Mahnung sollten gerade in der Jetztzeit die deutschen Juden besonders beherzigen, um die staatsbürgerlichen Rechte zu schützen, die man ihnen zu verkümmern strebt. „Zur Einigkeit" war ein Leitartikel uberschrieben, in dem kürzlich die antisemitische „Staatsbürger-Ztg." zum Kamps gegen das Judenthum aufforderte, das sie dabei fälschlich als eine geeinte, gewaltige Macht darstellte, im Gegensätze zu den Antisemiten, welche durch politische und konfessionelle Nebensorgen zersplittert seien. In einer Zeit, in der ein solches Blatt es wagen darf, den Satz zu veröffentlichen: „Der Jude ist unser aller Feind!" sollten wir allerdings einmüthig fest zusammenstehen, um aller Welt zu beweisen, daß der deutsche Jude nur ein Feind der ärgsten Feinde Deutschlands ist, welche durch ihre rastlose Wühlerei das Vaterland empfindlich schädigen. Wohin verhetzende Agitation sührt, wie Gesetz und Ordnung, Gerechtigkeit und Frieden durch dieselbe gefährdet werden, dafür bietet das für Frankreich verhängnißvolle Treiben der Drumont, Rochefort, Rögis u. 2. m. ein hinreichend abschreckendes Beispiel. Die den einfachsten Gesetzen der Menschlichkeit hohnsprechende antisemitische Bewegung ist nicht deutsch, sondern international, ein Geheimbund der Dunkelmänner aller Nationen zur Nernichtung der Aufklärung, der bürgerlichen Freiheit und der allumfaffenden Menschenliebe, deren großartigster Verkünder einst der Pfarrerssohn Gotthold Ephraim Lessing war. Der Antisemitismus ist nicht, wie fälschlich behauptet wird, eine Abwehr-, sondern eine Angriffsbewegung, keine wirthschaftliche oder nationale Nothwehr, sondern der Ausdruck der wilden Zerstörungssucht jener Herrenmoral, die mit jüdischen und christlichen Lehren vollständig gebrochen hat, um sich wieder in eine noch unüberwundene allheidnische Weltanschauung zu verliefen. Gegen eine solche kulturwidrige Bewegung sollten alle deutschen Staatsbürger zusammenstehen; zunächst aber sind dazu die Bürger jüdischen Glaubens berufen, weil zwar die Endziele dieser Beivegung weit größere Kreise bedrohen, dieselbe aber doch in erster Reihe sich gegen die Juden richtet, deren Gleichstellung das erste Produkt einer freiheitlich und echtmenschlich gesinnten Ausklürungsperiode war. Nicht für jüdische Interessen, sondern zur Verbreitung der Ueberzeugung von der Gemeinschädlichkeit des Antisemitismus, von den nationalen und wirthschaftlichen Nachtheilen des durch den«